„Ein Gefühl wie in der Mao-Zeit“ – Kontrollwahn unter dem Mantel der Gesundheit

Der Kampf der Kommunistischen Partei Chinas gegen die Corona-Omikron-Variante wird immer irrsinniger. Offensichtlich geht es dem Regime weniger um die Gesundheit des Volkes als um Macht und Kontrolle.
Titelbild
„Führer“ Xi (l) und „Führer“ Mao (r). Porträts in Yan'an, Provinz Shaanxi, dem früheren (1936 bis 1947) Hauptsitz der Kommunistischen Partei Chinas. Gesehen am 10. Mai 2021 im Vorfeld des 100. Gründungsjahres der KPC.Foto: Hector RETAMAL / AFP via Getty Images
Von 15. November 2022

Trotz der harten Null-COVID-Politik der Kommunistischen Partei Chinas breitet sich das Coronavirus weiter aus. Die Omikron-Variante des Coronavirus gilt als hochansteckend, aber relativ mild im Verlauf – zumindest im Vergleich mit den anderen Corona-Varianten. Dennoch hält „Führer“ Xi Jinping an seiner restriktiven Lockdown-Politik fest. Die Partei will das Virus unbedingt besiegen und behauptet, sie tue das „für die Gesundheit der Menschen“. Experten bezweifeln aber, dass sich die Partei tatsächlich Sorgen um die Gesundheit des Volkes macht. Alles, was sie tue, diene nur der Sicherung ihrer Macht.

Lockerung trotz steigender Fallzahlen?

Am vergangenen Freitag, 11. November, kündigte Peking an, dass man einige der strengen Corona-Regeln lockere. Beispielsweise soll es bei den Einreisebestimmungen internationaler Flüge Quarantäneverkürzungen geben. Neu ist auch, dass ein negativer PCR-Test zur Einreise ins Land des Virusursprungs nun ausreicht.

Die Nachrichtenagentur AFP berichtet, dass es in China gewisse Lockerungen gebe: Es sei die Pflicht abgeschafft worden, „sekundäre enge Kontaktpersonen“ von Infizierten für die Isolierung zu identifizieren. Auch müsse die einwöchige Quarantäne bei Reisen aus Risikogebieten in Regionen mit geringerem Infektionsrisiko nicht mehr im Quarantänezentrum ausgesessen werden, sondern zu Hause.

Allerdings habe das kommunistische Regime bis zuletzt erklärt, „unerschütterlich“ an seiner Null-COVID-Politik festzuhalten. Wie daher die geringfügigen aktuellen Lockerungen zu bewerten sind, bleibt abzuwarten – zumal die Fallzahlen im Land steigen. Allerdings hat die Pandemie gezeigt, dass die offiziellen Zahlen in China mit einer gewissen Skepsis zu betrachten sind.

Neue Ausbrüche – meist symptomlos

Nach offiziellen Angaben der Gesundheitskommission der KP Chinas wurden am 10. November landesweit 9.005 Menschen neu positiv auf das Coronavirus getestet. Die meisten davon, 7.820 Personen, hatten jedoch gar keine Symptome – waren also asymptomatisch. Dennoch gab es zahlreiche Beeinträchtigungen des öffentlichen Lebens.

Das chinesische Nachrichtenportal „Jiemian News“ berichtete beispielsweise nach Angaben der Flug-App „Flight Manager“, dass am 9. Oktober (Stand 10 Uhr) am Flughafen Guangzhou Baiyun 1.163 Flüge (89 Prozent) gestrichen worden seien, am Flughafen Zhengzhou Xinzheng 649 Flüge (98 Prozent) und am Flughafen Chongqing Jiangbei 649 Flüge (98 Prozent). Der Flughafen in der Hauptstadt der Inneren Mongolei, Hohhot, verzeichnete ebenfalls enorme Streichungen von 95 Prozent oder 267 Flügen. Selbst in der Hauptstadt Chinas gab es zahlreiche Flugstreichungen: am Flughafen Peking Capital 718 Flüge (75 Prozent) und am Flughafen Peking Daxing 767 Flüge (86 Prozent).

Nach Angaben der chinesischen Epoch Times gab es vor allem Ausbrüche in der Autonomen Region Innere Mongolei hoch im Norden Chinas und in der regierungsunmittelbaren Stadt Chongqing. Die 32-Millionen-Metropole liegt in Südwestchina. Hier befinden sich auch zwei weitere von Ausbrüchen betroffene Provinzen – Hunan und Sichuan. Weitere Ausbrüche gab es im Südosten in den Küstenprovinzen Fujian und Guangdong.

Cluster-Ausbruch in Guangdong

In Guangdongs Provinzhauptstadt Guangzhou gab es den größten Ausbruch mit 2.555 Fällen innerhalb von 24 Stunden. Fast alle Fälle (2.369) wurden in nur einem Bezirk registriert. Die Lage in Guangdong scheint sich derart zuzuspitzen, dass der japanische Finanzdienstleister Nomura Securities am 11. November in einem Bericht schrieb: „Aufgrund der aktuellen Situation ist es schwierig zu sagen, ob Guangzhou die Erfahrung wiederholen wird, die Shanghai in diesem Frühjahr gemacht hat.“

Die rund 26 Millionen Einwohner von Shanghai, Chinas bedeutendster Industriestadt, wurden ab etwa Mitte März 2022 in einen fast zweimonatigen brutalen Lockdown geschickt. Zahlreiche Horrormeldungen aus der abgeriegelten Stadt erreichten trotz strenger Zensur die freie Welt. Dies weckte nicht zuletzt Erinnerungen an den verheerenden Lockdown zu Beginn der Pandemie in Wuhan – der Stadt, von der aus sich das Virus dank der KPC zunächst stillschweigend – über die ganze Welt ausbreitete und das Leben der Menschen grundlegend veränderte.

Der Partei ist das Volkswohl egal

Die chinesische Epoch Times sprach mit der taiwanischen Virusexpertin Dr. He Meixiang über die Situation in Taiwan und in China. Sie erklärte, dass in Taiwan unter der geimpften Bevölkerung mehr als 99,5 Prozent der Infizierten ohne einen Krankenhausaufenthalt ausgekommen seien. Lediglich etwas mehr als 0,4 Prozent der Erkrankten wurden ins Krankenhaus eingeliefert. Doch es sei nicht allein das Virus, das einen Krankenhausaufenthalt erfordert habe, sondern auch die Grunderkrankungen der Menschen, erklärte die Medizinerin.

Laut Dr. He könne Omikron nicht aufgehalten werden. Auch Taiwan habe ursprünglich gehofft, das Virus beseitigen zu können. „Wir haben der Regierung gesagt, dass sie es definitiv nicht beseitigen könne.“

Bezüglich der Vorgänge im kommunistischen Nachbarstaat meinte Dr. He, wie sehr die KPC in China auch versuche, das Virus zu stoppen, es werde immer mehr Infizierte geben. Sie sei sich ziemlich sicher, dass sich die Kommunistische Partei „überhaupt nicht um die Gesundheit des Volkes kümmert, sondern das Volk nur unter dem Vorwand kontrolliert, dass es um die Gesundheit des Volkes geht.“ Auch die Wirtschaft ist der KPC völlig egal – sie kümmere sich nur noch um ihr Regime.

„Roter Code, grüner Code – Geisternamen überall“

Die chinesische Epoch Times sprach mit einem Mann namens Zhang Hai, der 2020 im großen Lockdown von Wuhan seinen Vater verloren hatte. Er erklärte, dass alle Gesellschaftsbereiche bei Null-COVID mitmachen müssen. „Auch wenn die Beamten im System sehr genau wissen, dass es sich nur um eine leichte Erkältung handelt, müssen sie dennoch mit der Führung im Einklang sein – um ihre Amtsmützen zu behalten“, so Zhang.

Allerdings gebe es überall eine Menge öffentlicher Unzufriedenheit aufgrund menschengemachter Katastrophen, verursacht durch Null-COVID. „Viele Beamte wissen das. Die einfachen Leute wissen das auch.“ Aber die Menschen müssen das einfach mitmachen. „Wenn du nicht kooperierst, versiegelt er deine Tür. Roter Code, grüner Code, diese Art von Geisternamen ist besonders zahlreich. Jetzt gibt es alle Arten von menschenfeindlicher Kontrolle und Einschränkung der persönlichen Freiheit“, erklärte der Chinese.

Nach Ansicht von Zhang widerspreche Null-COVID völlig der Wissenschaft und Medizin und werfe einfach alles über den Haufen. Er berichtete von der Abriegelung von Shanghai: „Mein Freund war damals im Krankenhaus in einer viereckigen Kammer.“ Die positiv getesteten Menschen darin hätten überhaupt keine Medizin bekommen, schilderte Zhang. Und dennoch: „Nach einer Weile ging es ihnen besser.“ Sein Freund habe ihm gesagt, dass die Leute, „die mit der sogenannten Epidemie um sich schlagen“, alle verrückt seien. Zhang Hai zieht ein bedenkliches Fazit: „Die derzeitige Dynamik der Räumungen (Verbringung in Quarantäne) gibt mir ein Gefühl wie in der Mao-Zeit.“

 



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