Organraub in China – Politiker erhöhen Druck auf chinesische Machthaber

Herz, Lunge, Augen. Aus China weiß man, dass in kürzester Zeit passende Spenderorgane für Transplantationen bereitstehen. Das EU-Parlament hat darauf reagiert und eine Resolution erlassen.
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Organraub an Falun Gong-Anhängern in China, nachgestellt von Praktizierenden bei einer Info-Veranstaltung in Washington.Foto: AFP/Getty Images
Von 6. Juni 2022

Eine EU-Resolution treibt nicht nur Menschenrechtler um, sondern wird in Kürze auch Politiker und andere Personenkreise in Deutschland beschäftigen. Es geht um die „anhaltende erzwungene Organentnahme in China“, die auch als Organraub bezeichnet wird.

Über den „Organraub“ in China gibt es unzählige Berichte von Hinterbliebenen, die den Leichnam ihrer Angehörigen vor der Einäscherung mit Wunden vorfanden, die auf eine Organentnahme hinweisen. Aber auch Insiderberichte von Ärzten geraten hin und wieder an die Öffentlichkeit.

Augenzeuge: „Ich sollte die Augäpfel entfernen“

So veröffentlichte die „New York Post“ am 1. Juni 2019 den Artikel „Chinesische Dissidenten werden wegen ihrer Organe hingerichtet, so ein ehemaliger Krankenhausmitarbeiter“. Der Artikel wurde von Steven W. Mosher, Präsident des Population Research Institute und amerikanischer Sozialwissenschaftler, verfasst, der ausgiebig über China publiziert hat. Mosher schrieb in dem Artikel der „New York Post“:

„Zheng Qiaozhi – wir werden ihn George nennen – hat immer noch Albträume. Er absolvierte ein Praktikum im chinesischen Hauptkrankenhaus der Armee in Shenyang und wurde dort Teil eines Organentnahme-Teams.“

Mosher beschrieb, wie ein junger Gefangener mit gefesselten Händen und Füßen in den Raum gebracht wurde. Der zuständige Militärarzt schnitt den jungen, noch lebenden Mann schnell von der Brust bis zum Bauchnabel auf, um seine beiden Nieren freizulegen. Der Militärarzt befahl dann dem angehenden Arzt George, er solle „die Venen und Arterien durchtrennen“. Als dieser der Anweisung folgte, spritzte das Blut überall hin. Die Nieren wurden entfernt und in einen Behälter für den Transport gelegt.

„Dann befahl der Arzt George, die Augäpfel des Mannes zu entfernen. Als er das hörte, schaute der sterbende Gefangene ihn an und George erstarrte: ‚Ich kann das nicht tun‘, sagte er zu dem Arzt, der dann schnell selbst die Augäpfel des Mannes herausholte“, so Mosher weiter.

George kündigte kurz darauf seine Tätigkeit im Krankenhaus und floh später aus Angst, dass er selbst das nächste Opfer des Organraubs sein könnte. Er wanderte nach Kanada aus und nahm eine neue Identität an.

Laut Mosher seien Berichte aus erster Hand von Ärzten wie der von George „verständlicherweise selten“. Den „Transplantationstouristen“, die nach China kommen, wird natürlich nichts über die „Spender“ ihres neuen Herzens, ihrer neuen Leber oder Niere erzählt. Und diejenigen, die für ihre Organe hingerichtet werden, würden ohnehin nichts mehr erzählen.

EU-Resolution fordert Länder zum Handeln auf

Bereits am 12. Dezember 2013 gab es eine erste Entschließung im Europäischen Parlament. Nun wurde die EU konkreter. Seit dem Amtsantritt von Präsident Xi Jinping habe sich die Menschenrechtslage in China weiter verschlechtert, heißt es in der Dringlichkeitsresolution der EU vom 5. Mai 2022. Die chinesische Regierung sei „gegenüber den Menschenrechten und der Rechtsstaatlichkeit zunehmend feindselig eingestellt“.

Dabei hob das EU-Parlament vor allem die in China durchgeführten Organtransplantationen hervor. Aufgrund der traditionellen Haltung vieler Chinesen willigt nur ein äußerst geringer Teil der Bevölkerung in eine Organspende ein. Dadurch ist der Bedarf an Organspendern groß. Zwar wurde die Organentnahme von hingerichteten Gefangenen nach Angaben der Regierung 2015 eingestellt, vollständig verboten wurde diese Praxis jedoch nicht, „sodass sie nach wie vor legal ist“.

Auch im Hinblick auf die WHO-Richtlinien entspräche das chinesische Organtransplantationssystem nicht den Anforderungen an Transparenz und Rückverfolgbarkeit der Organe. Zudem widersetze sich die chinesische Regierung einer unabhängigen Kontrolle der Organspenden.

In ihren Gründen zieht die EU auch das Ergebnis des unabhängigen China-Tribunals aus dem Jahr 2020 heran, wonach die Mehrheit der Personen, die einer erzwungenen Organentnahme in China zum Opfer fallen, Falun-Dafa-Praktizierende sind. Ihnen würden ohne Zustimmung die Organe entfernt, um sie einer anderen Person zu transplantieren, mit anderen Worten: Sie werden wegen ihrer Organe getötet.

Es gibt zahlreiche Berichte, nach denen sich Falun-Dafa-Praktizierende in China ohne Angabe von Gründen Bluttests unterziehen müssen. Ihre Daten werden registriert und in eine riesige DNA-Datenbank eingetragen, mit der passende „Organspender“ ausfindig gemacht werden können.

Das Europäische Parlament hat mit seiner Resolution die Mitgliedstaaten aufgefordert, „die erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, um Transplantationstourismus ihrer Bürger nach China zu unterbinden und ihre Bürger, die nach China reisen, für dieses Problem zu sensibilisieren“. Einschlägige Einrichtungen sollen „die Regeln ihrer Zusammenarbeit mit chinesischen Einrichtungen in den Bereichen Transplantationsmedizin, Forschung und Ausbildung bewerten und überdenken“.

Organentnahme ohne Hirntoddiagnose

Laut einer Anfang April im „American Journal of Transplantation“ veröffentlichten Studie wurden Tausende chinesische medizinische Veröffentlichungen untersucht, die von Transplantationschirurgen zum Thema Herz- und Lungenentnahme verfasst wurden. Dabei fanden die Wissenschaftler 71 – zwischen 1980 und 2015 – veröffentlichte Arbeiten, in denen chinesische Ärzte beschreiben, wie sie Menschen Organe entnommen haben, ohne den Hirntod des Spenders – mittels eines speziellen Tests – überprüft zu haben.

Die Feststellung des Hirntods ist eine Standardanforderung, bevor einem Spender Organe entnommen werden. Doch das sei in den untersuchten Fällen nicht erfolgt. Die Studie verweist auch auf die ungewöhnlich kurzen Wartezeiten für Organe in China.

Dr. Tasso Enzweiler, Pressesprecher der Johannes Gutenberg-Universität (JGU) Mainz, teilte auf Nachfrage gegenüber Epoch Times mit:

„Sowohl die Organentnahme bei Angehörigen von Minderheiten in China als auch die dortige Anwendung von Hirntodkritierien wird von Wissenschaftlern der Universitätsmedizin bereits seit einigen Jahren und gerade auch wieder aktuell in internationalen Publikationen (H. Li, K. Allison, N.W. Paul,  2022, Cambridge Quarterly of Health Care Ethics, accepted) kritisch bewertet.“

Der JGU-Pressesprecher betonte, „dass Erkenntnisse, die chinesische Wissenschaftler und Kliniker im Umfeld auch zweifelhafter Organentnahmen gewinnen, international publiziert werden und Ergebnisse – etwa zur Organprotektion – auch in der medizinischen Praxis außerhalb Chinas genutzt werden können“.

„Gerade für die Bereiche der Hirntoddiagnostik sowie für die Organentnahme nach Exekutionen wurden daher inakzeptable Praktiken wissenschaftlich analysiert, publiziert und für die medizinische und wissenschaftliche Gemeinschaft transparent gemacht“, so Enzweiler weiter.

Die JGU Mainz sei aufgrund eigener Forschung zu der Thematik „sensibilisiert und befähigt“, eine direkte oder indirekte Beteiligung an ethisch nicht rechtfertigbaren Organentnahmen zu vermeiden – sowohl in der Forschung als auch im klinischen Bereich. Allerdings habe man es „aufgrund der Geheimhaltungspolitik Chinas mit erheblicher Intransparenz“ zu tun, so der Pressesprecher weiter.

Keine Kenntnis von Organen aus China

Das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) teilte mit, dass dort im Transplantationszentrum, keine Patienten beraten oder behandelt wurden, „die wissentlich ein Organ in oder aus China transplantiert bekommen haben“.

Das UKE halte sich strikt an die Erklärung von Istanbul (Verbot von Organhandel und Transplantationstourismus) sowie die Richtlinien der Bundesärztekammer beziehungsweise von Eurotransplant. Die genannten und in der Entschließung des EU-Parlaments thematisierten Vorbehalte bestünden seit Jahren, „sodass wir hier bereits sehr frühzeitig sensibilisiert waren und auf Kooperationen verzichtet haben“.

„Darüber hinaus wird jede offizielle Kooperation mit einer ausländischen Hochschule vor Abschluss intensiv, auch im Hinblick auf ethische Fragestellungen, geprüft“, erklärte UKE-Pressesprecherin Saskia Lemm. „Eine Zusammenarbeit mit China auf dem Gebiet der Transplantationsmedizin wird nicht diskutiert.“

Die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) sagte gegenüber der Epoch Times, dass „jedwede Form von Organhandel und erzwungener Organentnahme in Gänze verurteilt“ werde.  Eine Zusammenarbeit mit Personen und Einrichtungen aus China im Bereich Transplantation, Humanmedizin und Forschung verneinte DSO-Pressesprecherin Birgit Blome. Wie viele Patienten aus Deutschland sich einer Transplantation in China unterzogen haben, sei „nicht bekannt“.

Am 22. Juni soll die EU-Resolution im Ausschuss für Menschenrechte und humanitäre Hilfe des Deutschen Bundestages auf Antrag des AfD-Politikers Jürgen Braun thematisiert werden. „Endlich gibt es handfeste Beweise, die über das mosaikartige Indizienbild des China Tribunals hinausgehen“, so Braun gegenüber Epoch Times. Er bewertet die Entschließung als sehr positiv. „Damit kann der Druck auf die chinesischen Machthaber erhöht werden.“



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