Belcanto-Königin Maria Callas hätte 90. Geburtstag

Titelbild
Maria Callas 1966 mit Zuschauern im Odeon Theater in Paris bei der Premiere des 'Barbier von Sevilla', präsentiert von der Metropolitan Opera New YorkFoto: AFP/Getty Images
Von 2. Dezember 2013

Am 2. Dezember 2013 wäre die legendäre „Königin der Mailänder Scala“, Maria Callas, 90 Jahre alt geworden; im Alter von 43 Jahren stand sie zum letzten Mal auf der Bühnen, 53-jährig starb sie in völliger Vereinsamung in Paris. Die Tragik von Glanz, Reichtum, Glück und Unglück. Faszinierend und bewegend der ARTE-Film „Maria Callas Assoluta“.

„Ich bin ein Geschöpf des Schicksals.
Es hat mich auserwählt,
es wollte, dass ich wurde, was ich bin.
Ich stehe außerhalb meiner selbst
und verfolge mein Leben von außen.
Nur wenn ich sang, wurde ich geliebt.“

Maria Cecilia Sophia Anna Kalogeropoulos wurde am 2. Dezember 1923 in New York geboren. Ihre Eltern – George und Evangelia Kalogeropoulos – waren erst ein Vierteljahr zuvor von Griechenland in die USA ausgewandert. 1929 änderte George Kalogeropoulos seinen Familiennamen in Callas. Evangelia Callas kehrte nach der Trennung von ihrem Ehemann 1937 mit ihren beiden Töchtern Jackie und Maria nach Griechenland zurück. Die eminente Begabung von Maria wurde offenbar, als ihre Mutter die 13-Jährige in Athen der Gesangslehrerin Maria Trivella vorstellte, die sofort willens war, das Kind kostenlos zu unterrichten. „Der Ton der Stimme“, so die Erinnerung der Lehrerin, „war warm, lyrisch, intensiv; sie flackerte und leuchtete wie eine Flamme und füllte die Luft mit den melodischen Schwingungen einer Glocke.“

Und mit dieser Stimme stürmt sie los, ins Leben, in die Kunst, auf den Olymp. Der Belcanto, als anachronistische „Kanarienvogelmusik“ in Verruf, wurde mit ihr quasi wiederentdeckt. Die Titelpartie in Gioachino Rossinis „Armida“ studierte sie 1952 in fünf Tagen ein.  Ihre Stimme war aus unterschiedlichen Klängen legiert. Die drei Register – eine herb-getönte, dramatische Bruststimme, eine opak-verhangene Mittellage und eine brillante Höhe bis zum vollstimmig attackierten dreigestrichenen Es, selbst zum dreigestrichenen E – waren zwar angeglichen, aber nicht restlos ausgeglichen. Sie erzeugte eine irritierende und oftmals schockierende Vielfalt von Klängen, die in sich schon Echo innerer Dramen waren.

Mit der dominierenden Mutter hatte sich Maria Callas überworfen. Sie hielt den Druck nicht aus.

Den Weg in die internationale Karriere fand sie auf dem Umweg über Mexico City. Nach der Generalprobe von „Aida“ hatte der Intendant gesagt: „Madame Callas, wenn Sie das Es morgen singen, werden die Mexikaner verrückt werden.“ Sie lehnte zunächst ab. Doch am Abend des 30. Mai 1950 verärgerte der Tenor Kurt Baum, der Sänger des Radames, das Ensemble mit seinen hohen Tönen, die er so endlos hielt, dass man nur das Weiße in seinen Augen sehen konnte. Callas holte sich das Einverständnis ihrer Kollegen und sang den Angeber in Grund und Boden. Sie sang am Ende des zweiten Aktes ein Es, das den Himmel über Mexico City glutrot färbte. Der Ton durchschneidet das Fortissimo von Chor und Orchester – er gleicht einem Blitz im Wüten einer tobenden Gewitternacht.

Maria Callas in Bellinis Maria Callas in Bellinis ‚Norma‘ in Paris am 23. Mai 1964Foto: AFP/Getty Images

Mit der Wahnsinnsszene „Spargi D’Amore Pianto“ der Lucia di Lammermoor, die sie 1952 in Mexiko erstmals sang, löste sie im Publikum – 15-minütige Bravo-Rufe aus, bis sie die Arie noch einmal sang. Nach den zwei geplanten Aufführungen musste eine dritte angesetzt werden, bei der sie nach alter Belcanto-Manier neue Verzierungen improvisierte. Später sollte sie sagen, dass die „Lucia-Premiere der glücklichste Abend meiner Karriere war".

Am 7. Dezember 1952 wurde Maria Callas mit ihrer zweiten Saison als Lady Macbeth unter Leitung Victor de Sabatas zur Königin der Mailänder Scala und erfüllte Verdis paradoxe Forderung, dass die Lady mit einer hässlichen, verschatteten Stimme und doch grandioso singen müsse. Die Saison 1953/54 eröffnete sie als Medea unter Leitung von Leonard Bernstein, der sie später als „die größte Sängerin der Welt“ bezeichnete und zwei Jahre später für sie irrwitzige Stakkato-Koloraturen im Finale von Bellinis „La Sonnambula“ („Die Nachtwandlerin“) schrieb, die er mir bei einem Interview in seliger Erinnerung mit heiserer Stimme aufs Band sang.

Das private Glück und Unglück

Am 21. April 1949 hatte sich Maria Callas mit dem italienischen Unternehmer Giovanni Battista Meneghini vermählt und wurde italienische Staatsbürgerin. Bewusst nahm die bis dahin vollschlanke Sopranistin 1954 innerhalb kurzer Zeit 30 Kilogramm ab. In dieser Zeit perfektionierte die Primadonna ihre Gesangskunst. Mitte der 1950-er Jahre war Maria Callas am Zenit ihrer Karriere. Bei einer Galaaufführung der Bellini-Oper „Norma“ am 2. Januar 1958 in Rom, bei der auch der italienische Staatspräsident Giovanni Gronchi (1887 – 1978) im Publikum saß, brach Maria Callas nach dem ersten Akt ab und beteuerte, erkältet zu sein. Im selben Jahr überwarf sie sich mit Antonio Ghiringhelli und Rudolf Bing, den Direktoren der Mailänder Scala und der Metropolitan Opera in New York.

Im Juli 1959 nahm das Ehepaar Meneghini eine Einladung von Aristoteles Onassis (1906 – 1975) zu einer dreiwöchigen Kreuzfahrt auf dessen Yacht „Christina“ an. Die Meneghinis hatten den griechischen „Tankerkönig“ im September 1957 bei einer Abendgesellschaft Elsa Maxwells kennengelernt. Die Liebesaffäre von Maria Callas und Aristoteles Onassis, die während dieses Yacht-Urlaubs begann, sorgte bis zur Eheschließung des von Athina („Tina“) Livanos geschiedenen Reeders mit Jacqueline Kennedy am 20. Oktober 1968 für Schlagzeilen.

Onassis kam als 16-Jähriger nach Buenos Aires/Argentinien und begann als Zeitungsjunge und Hotelpage. Ein kometenhafter Aufstieg aus dem Nichts.  1946 heiratet er in New York die 17-jährige Tina Livanos, Tochter eines griechischen Groß-Reeders. Aus dieser Ehe sind zwei Kinder. Sohn Alexander, 1948 geboren, kommt 1973 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Seine Tochter Christina, 1950 geboren und lange Zeit die reichste Frau der Welt, stirbt 1988 im Alter von nur 37 Jahren in Buenos Aires an einer Überdosis Schlaftabletten. Als Onassis Frau von der Liebesaffäre mit Maria Callas erfährt, lässt sie sich 1960 scheiden und bringt sich 1974 mit Schlaftabletten um. Onassis selbst stirbt am 15. März 1975 in Neuilly-sur-Seine bei Paris an einer Lungenentzündung. Er hatte den Tod seines Sohnes nie verkraftet und sprach davon, dass er zum Sterben nach Paris gehen werde.

Dazwischen lagen aber sehr intensive Jahre und Liebesaffären – zunächst mit Maria Callas, die immer weniger öffentlich auftrat. Onassis war kein Freund der Oper. Im Alter von nur 43 Jahren stand Maria Callas zum letzten Mal auf der Bühne. Das Paar war nie offiziell verheiratet. 1968 heiratete Onassis Jacqueline Kennedy (1929 – 1994). Sie wurde nur 64 Jahre alt.

In Paris brach Maria Callas am 29. Mai 1965 auf der Bühne zusammen. Obwohl ihr die Ärzte davon abrieten, sang sie die Tosca am 5. Juli noch einmal im Covent Garden (London). Das war ihre letzte Opernaufführung.

Die Launen des Publikums sind so unbeständig wie das Wetter. Die Diva furiosa wurde nach ihrer letzten Bühnenaufführung in London am 5. Juni 1965 zur Diva dolorosa verklärt. Der erste Abend der Abschiedstournee, die am 25. Oktober 1973 in Hamburg begann, war bereits ein Vorbote ihres Niedergangs. Sie hätte nicht auftreten dürfen. Mit den Resten ihrer Stimme hat sie sich noch durch ein gar nicht einmal so schwieriges Programm gequält – ein Desaster.
Maria Callas starb 53-jährig am 16. September 1977 in völliger Vereinsamung in Paris an akutem Herzversagen.

N.B. Im Alter von 42 Jahren steht am 7. Dezember 2013 ein neuer Gesangsweltstar auf der Bühne der Mailänder Scala, die „Königin der Koloraturen“. ARTE zeigte im Jahr 2011 die Dokumentation „Diva Divina – Diana Damrau“. Sie ist eine glückliche Mutter von zwei Söhnen und vermeidet den Medienzirkus und Starrummel.



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