Vom Steinhaus zum Wohnhaus: Paar renoviert 200 Jahre alte Scheune in den Bergen

Der Traum vom Eigenheim: Eine Familie aus den USA wollte sich diesen unbedingt in Europa erfüllen. Schließlich fanden sie ihren perfekten Ort – in den Alpen.
Titelbild
Bradey und Heather Jobson mit ihren Kindern.Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Raising Voyagers
Von 30. Mai 2023

Nachdem sie Tausende Angebote gesichtet hatten, fanden sie ihr Kleinod: Ein 200 Jahre altes Steinhaus in den italienischen Alpen ist das neue Domizil einer Familie aus den USA. Sechs Monate nach der Restaurierung möchten sie der Welt zeigen, dass sie es schafften, einen völlig neuen Weg einzuschlagen.

Bradey und Heather Jobson aus Ohio sind beide 34 Jahre alt. Sie haben zwei Töchter, Alexa (9) und Chloe (7). Frustriert vom hohen Lebenstempo in den Vereinigten Staaten verkauften sie 2020 den größten Teil ihres Besitzes und machten sich auf, die Welt zu bereisen.

„Wir haben unser Haus verkauft, unsere Autos, unsere Möbel und Kleidung, sogar einige Spielsachen der Kinder, und den Rest gespendet“, sagt Bradey der Epoch Times. „Wir nahmen das gesparte Geld, ich glaube etwa 40.000 US-Dollar, und starteten eine fast zweijährige Reise um die Welt. Während dieser Zeit suchten wir nach einem neuen Ort zum Leben.“

Das 200 Jahre alte Steinhaus in den italienischen Bergen. Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Raising Voyagers

Verliebt in ein 200 Jahre altes Steinhaus

Auf ihren Reisen erkundete die Familie Australien, Costa Rica, Indonesien, die Philippinen und Teile Europas, bevor sie sich in Norditalien und seine Kultur verliebte. Sie ließen sich einen Monat lang in der Nähe des Comer Sees nieder, um sich nach Immobilien umzusehen. Für die Familie war die Wohnungssuche in Italien „wie die Suche nach einer Nadel im Heuhaufen“. Nach unzähligen Besichtigungen stießen sie auf ein vier Hektar großes Grundstück mit einem einzigartigen verlassenen Steinhaus in den Ausläufern der italienischen Alpen und wussten sofort, dass sie ihr neues Zuhause gefunden hatten.

„Wir haben uns in dieses 200 Jahre alte Steingebäude verliebt“, erzählt Bradey. „Es ist ein sehr schönes, gemäßigtes Klima hier, aber wir haben schneebedeckte Berge in der Ferne und viele Wanderwege. […] Es gibt hier hervorragende Flughäfen, die den Rest der Welt anbinden, und man kann auch leicht in andere Teile Europas fahren.“

Viele Leute dachten, dass sie die USA aus politischen Gründen verlassen hätten, erzählt er. Doch das war nicht der Grund. „Der Hauptgrund für unseren Weggang war, dass wir nach einer Kultur suchten, mit der wir uns mehr identifizieren konnten.“ Und weiter: „Die Kultur in Amerika ist außergewöhnlich hektisch und chaotisch; eine Kultur, in der die Arbeit an erster Stelle steht und Beziehungen an zweiter. Auf unseren Reisen haben wir schnell festgestellt, dass der größte Teil der Welt genau umgekehrt lebt.“

Bradey und Heather Jobson stammen ursprünglich aus Ohio. Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Raising Voyagers

Bradey und Heather kauften das Steinhaus im Oktober 2022 für 120.000 Euro. Sie begannen, es zu renovieren. „Das Haus war lange Zeit verlassen, es gab keinen Strom, keine Sanitäranlagen und kein fließendes Wasser. […] In den ersten paar Monaten haben wir nicht wirklich gebaut, sondern uns nur die Hände schmutzig gemacht.“

Sie hätten viel Zeit damit verbracht, sich an die italienische Kultur anzupassen, sich einzuleben und auf die passenden Genehmigungen zu warten. Denn das Steinhaus war eigentlich als Scheune genehmigt worden.

„Wir übernahmen also diese verlassene Scheune; entkernen sie und machen sie zu unserem Traumhaus. Dabei müssen wir bestimmte neue EU-Vorschriften einhalten, damit es ein ‚grünes Haus‘ wird. Es ist also ein sehr schwieriger Prozess, das Ganze rechtlich korrekt durchzuführen. Am Ende wird es im Grunde ein Null-Energie-Haus sein“, so Bradey.

Bei der Renovierung. Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Raising Voyagers

Obwohl Bradey der Meinung ist, dass es einfacher gewesen wäre, einfach eine komfortable, erschwingliche Wohnung mit Blick auf die Berge zu mieten, war das Paar von der Idee angetan, einem verlassenen Gebäude mit historischer Bedeutung neues Leben einzuhauchen.

„In Italien gibt es so viele wunderschöne Anwesen, die es verdienen, restauriert zu werden, wieder zu glänzen und bewohnt zu werden“, schildert Bradey. „Aber es ist unglaublich viel Arbeit nötig, um sie wieder so weit herzurichten, dass man legal in ihnen wohnen darf.“

Einem verlassenen Haus neues Leben einhauchen

Bradey und Heather begannen ihren Wiederaufbau, indem sie einen alten Ziegenzaun abrissen und das Holz zum Bau einer Außenküche verwendeten. Anschließend errichteten sie mit Kastanienholz aus einem örtlichen Sägewerk einen hohen Zaun, um ihre Töchter vor dem steilen Hang zu schützen.

Die Kinder des Paares. Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Raising Voyagers

„Wir haben hauptsächlich die Materialien verwendet, die wir auf dem Grundstück fanden“, sagt Bradey, der mit seiner Familie derzeit außerhalb des Geländes in einer Mietwohnung lebt. „Wir haben viel Gartenarbeit geleistet, viel gebaut und Steinmauern und Steintreppen repariert. […] Wir haben fließendes Wasser und einen Kochherd. Und wir haben eine Komposttoilette gebaut, sodass wir alles Nötige haben, um hier Vollzeit arbeiten zu können. […] Wir können hier nur nicht schlafen.“

Der Innenausbau begann für Bradey und Heather mit Schwerstarbeit: Sie pickelten mit dem Presslufthammer bis zu 75 Zentimeter tief durch festen Lehm und Gestein, um Rohrleitungen und Dämmung unter dem Erdgeschoss des Anwesens zu verlegen. Dabei stießen sie auf kleine Felsbrocken, die bis zu 300 Kilogramm wogen.

Ein Haus mit Ausblick. Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Raising Voyagers

Parallel haben sie einen Garten angelegt und planen, auf dem großen Dach des nach Süden ausgerichteten Hauses so viele Solarzellen anzubringen, dass sie den gesamten Strom erzeugen können, den sie benötigen. Einschließlich den für die Heizung, die Klimaanlage und das Aufladen ihres Autos, sodass die Stromrechnungen schließlich ganz entfallen.

Zu dem Haus gehörte ein Esel namens Stella. In den ersten Monaten lebte die Eselin auch bei ihnen. Weil Esel jedoch andere tierische Gefährten brauchen und sie noch nicht in der Lage waren, sie zu versorgen, wurde sie von einem Nachbarn adoptiert.

Heather Jobson mit dem Esel Stella. Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Raising Voyagers

Obwohl die gesamte Renovierung eine Herausforderung ist, sagt Bradey: „Ich denke, das ist auch der Grund, warum wir es tun; wir haben uns schon immer zu einem Leben außerhalb unserer persönlichen Komfortzone hingezogen gefühlt.“

Zwei fleißige Helfer

Ihre Kinder haben sich bereitwillig auf das Leben außerhalb ihrer vertrauten Umgebung eingelassen. Sie beteiligen sich an der Renovierung, wann immer es ihnen möglich ist.

„Alexa und Chloe haben uns geholfen, das Fundament auszugraben und den Zaun zu bauen. So ziemlich jedes Vorhaben ist nicht nur eine Gelegenheit für uns, Zeit miteinander zu verbringen, sondern auch eine Chance, ihnen Arbeitsmoral beizubringen und zu zeigen, wie man etwas baut“, sagt Bradey. „Sie heben Stöcke und Steine auf und bauen die unglaublichsten Burgen. Sie bauen immer ‚Feengärten‘, wie sie sie nennen, und ihre Kreativität wird einfach lebendig.“

Das ist einer der Gründe, warum das Paar versucht hat, den vorgesehen Zeitplan so gut wie möglich einzuhalten.

Die Renovierungen sind noch nicht fertig. Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Raising Voyagers

Bradey, der zwischen seinem 9. und 16. Lebensjahr in der Ukraine gelebt hat, weiß, wie es ist, auszuwandern. Er zögerte, seine Kinder umzusiedeln, ist aber gleichzeitig stolz auf ihre Widerstandsfähigkeit.

„Es ist eine sehr schmerzhafte Sache, die sie durchmachen müssen, aber sie haben sich unglaublich gut geschlagen“, sagt er. „Ich bin sicher, dass das mit den vielen Jahren des Reisens zu tun hat und mit der Tatsache, dass dies das erste Zuhause ist, das sie in den vergangenen zwei Jahren hatten. Es geht ihnen so gut. Sie lernen die Sprache, sie gehen zur Schule. […] Sie gedeihen prächtig.“

Eine Feuerstelle zum Kochen gibt es auch. Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Raising Voyagers

Um ihren Traum von der Heimstatt mit der Welt zu teilen und Einnahmen für die Renovierung zu erzielen, teilt Bradey, der einen Berufsabschluss als Filmemacher hat, ihre Fortschritte auf YouTube. Ihre Familienvideoblogs berichten über alles, von der Ausreise aus den Vereinigten Staaten über die ersten Tage im Steinhaus bis zum Bau ihrer Außenküche.

„Ich möchte, dass die Leute wissen, dass man ein Leben außerhalb einer Box führen kann, dass man seine eigene Geschichte schreiben kann, dass man, wie ich es gerne nenne, die Zielgerade zurückverfolgen kann“, sagt Bradey. „Vor zehn Jahren haben wir uns hingesetzt und ein Drehbuch geschrieben, wie unser Leben aussehen soll, und jedes Jahr ändert es sich ein bisschen. Wir haben unglaublich hart gearbeitet, um hierherzukommen. Aber es ist möglich, egal aus welchem Milieu man kommt oder in welcher finanziellen Situation man sich befindet.“

Auch der Garten darf nicht vergessen werden. Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Raising Voyagers

Bradey wird oft gefragt, ob er die Entscheidung, mit seiner Familie nach Italien umzuziehen, um ihren Traum zu verwirklichen, bereut. Er antwortet jedes Mal mit einem klaren „Nein“.

„Jedes Mal, wenn ich eine Pause mache, aus der Arbeit heraustrete und die Aussicht betrachte, überkommt mich ein unerklärlicher Frieden. […] Du kommst hier raus und denkst: ‚Ah, deshalb mache ich das hier! Das ist der Grund, warum ich mir den Rücken krumm mache‘“, sagt er der Epoch Times. „Es ist schwer zu erklären, bis man die Aussicht genießt und den Ziegen in der Ferne und den Kirchenglocken zuhört. […] Das ist es absolut wert.“

Bradey und Heather arbeiten nun daran, zeitnah alle gesetzlichen Auflagen zu erfüllen, damit sie im Dezember in ihr Haus einziehen können. Dann rechnen sie mit weiteren sechs Monaten der Renovierung. Ihr langfristiges Ziel ist, ihre vier Hektar Land wieder für das zu nutzen, wofür es eigentlich gedacht war: die Landwirtschaft.

„Wir werden einen Weinberg anlegen, wir planen sogar, ein automatisiertes Gewächshaus zu errichten und Lebensmittel anzubauen, die normalerweise in diesem Klima nicht angebaut werden, wie Avocados“, sagt Bradey. „Das sind Pläne und Träume für das nächste Jahr.“

Dieser Artikel erschien im Original auf The Epoch Times unter dem Titel: „US Couple Buys 200-Year-Old Stone House in the Italian Alps and Is Renovating It to Fulfil Off-Grid Homestead Dream“ (deutsche Bearbeitung ks)



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