Geerdet zu sein – was heißt das eigentlich?

Titelbild
Ein blühender Pflaumenbaum. Der Baum als wohl typischstes Symbol der Verwurzelung mit der Erde kann oft die stärksten Stürme überstehen und hunderte Jahre alt werden.Foto: Oli Scarff/Getty Images
Von 20. Februar 2016

Wie oft bezeichnen wir jemanden als – oder nennen ihn in Gedanken – „geerdet"? Wie fühlt es sich überhaupt an, geerdet zu sein? Ein Schlagwort, das viele Fragen aufwirft und gleichzeitig als eine positive Eigenschaft des Menschen angesehen wird.

Ich unterrichte spezifische Sportarten, die darauf ausgerichtet sind, die athletische Leistungsfähigkeit zu erhöhen. Trotz dieser spezifischen Komponente sind die Bewegungsprinzipien universal und die Unterrichtsthemen bei allen Sportarten gleichbleibend.

Der Begriff „erden" ist innerhalb und außerhalb der Fitness ein gewohnter Begriff, doch wann immer ich ihn im Training benutze, bemerke ich, wie schwer fassbar er eigentlich ist. Viele Teilnehmer sind sich nicht im Klaren, was er eigentlich bedeutet und inwiefern er in der Athletik hilfreich ist.

Der Körper als elektrisches Netzwerk

Also was ist nun das „Erden"? Schauen wir uns zwei Definitionen aus der Elektrotechnik an: (1) eine direkte physikalische Verbindung zur Erde und (2) eine Erdrückleitung für Strom. Stellen wir uns den sich bewegenden Körper als ein elektrisches Netzwerk vor: was dabei auftaucht, ist die Verbindung zwischen Körper und Erde und der natürliche Zyklus des Ein- und Ausfließens, um Bewegung zu erzeugen.

Zum Beispiel, wann immer Sie einen Schritt machen, verwurzeln Sie sich im Boden und legen den Grundstein für die nächste Bewegung, die aus dieser Erdung heraus entsteht. Wenn wir über Erdung sprechen, beschreiben wir sozusagen den Akt der Verbindung und Verwurzelung mit der Erde, oft um damit den Körper zu unterstützen und bestimmte Handlungen zu erleichtern.

Die Bewegungen innerhalb und außerhalb des Fitnessstudios kommen aus verschiedenen Quellen: einem inneren Impuls, einer äußeren Stimulation oder von einer bewussten Handlung. Um den Stift auf Ihrem Schreibtisch zu ergreifen, strecken Sie entweder einfach Ihren Arm danach aus oder Sie bohren und drücken sich tief in Ihren Stuhl und fassen nach ihm dann. Spüren Sie, wie unterschiedlich diese zwei Bewegungen in Hinsicht darauf sind, wie Sie mit dem Boden in Verbindung stehen oder ihn als unterstützende Basis nutzen?

Es gibt eine sehr einfache Übung, die ich oft im Training benutze und die diese wichtige Verbindung veranschaulicht. Ich bitte die Teilnehmer, eine sehr schwache Bodenhaftung einzunehmen und dann so hoch zu greifen wie sie nur können. Dabei fühlt man sich eher schwach und hilflos.

Durch Erdung höher hinaus

Als nächstes bitte ich die Teilnehmer, sich zu erden, um dann aus dieser verwurzelten Position heraus so hoch zu greifen wie sie nur können. Automatisch ändert sich die Art des Streckens. Wir reichen weiter, fühlen uns verbunden und können mit viel mehr Leichtigkeit die nächste Position erreichen.

Dann bitte ich die Teilnehmer, die üblichen Bewegungen des von ihnen ausgeübten Sports von einer geerdeten Position heraus auszuführen. Egal ob sie Squash, Tennis oder Fußball spielen, Rudern oder Surfen gehen – der Unterschied ist markant.

Viele Athleten trainieren im Fitnessstudio, um den Körper für den ausgeübten Sport in Kondition zu halten, aber die meisten verbinden die Fitnessübungen nicht mit den körperlichen Anforderungen ihrer Sportart. Sich zu erden ist ein Bewegungsprinzip, das Sie vorteilhaft Ihrem Fitnesstraining hinzufügen können.

Es ist von Vorteil Übungen zu wählen, die eine Erdung verstärken, das heißt – Bewegungen in Verbindung mit dem Boden. Versuchen Sie dann einmal eine bestimmte Übung auszuführen, ohne sich zu erden und bemerken Sie, wie schwach sich das anfühlt.

Danach können Sie einmal probieren, sich noch mehr im Boden zu verwurzeln, als Sie es normalerweise tun würden und achten Sie darauf, was geschieht. Möglicherweise bemerken Sie eine deutliche Kraftverschiebung und eine Veränderung in der gesamten Körperhaltung.



Kommentare
Liebe Leser,

vielen Dank, dass Sie unseren Kommentar-Bereich nutzen.

Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen, Schimpfworte, aggressive Formulierungen und Werbe-Links. Solche Kommentare werden wir nicht veröffentlichen. Dies umfasst ebenso abschweifende Kommentare, die keinen konkreten Bezug zum jeweiligen Artikel haben. Viele Kommentare waren bisher schon anregend und auf die Themen bezogen. Wir bitten Sie um eine Qualität, die den Artikeln entspricht, so haben wir alle etwas davon.

Da wir die Verantwortung für jeden veröffentlichten Kommentar tragen, geben wir Kommentare erst nach einer Prüfung frei. Je nach Aufkommen kann es deswegen zu zeitlichen Verzögerungen kommen.


Ihre Epoch Times - Redaktion