Stark verarbeitete Lebensmittel stehen mit Herzkrankheiten, Darmkrebs und Tod in Verbindung

Zwei Studien aus dem British Medical Journal weisen darauf hin, dass stark verarbeitete Lebensmittel nicht nur ungesund im Sinne von Gewichtszunahme sind, sondern auch in Verbindung mit Herzkrankheiten, Darmkrebs und einem verfrühten Tod stehen.
Statt stark verarbeitete Lebensmittel selber kochen
Symbolbild.Foto: iStock
Von 10. September 2022

Stark verarbeitete Lebensmittel und deren umfangreicher Konsum stehen mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Darmkrebs und Tod in Verbindung. Dies geht aus zwei neuen, umfangreichen Studien aus dem Fachblatt „British Medical Journal“ (kurz BMJ) hervor.

Aus diesem Grund appellieren die Forscher, die Essgewohnheiten und damit die menschliche Gesundheit zu verbessern. Statt des Verzehrs stark verarbeiteter Lebensmittel empfehlen sie den Genuss unverarbeiteter oder minimal verarbeiteter Lebensmittel. Ein weiterer Vorschlag ist, die Ernährungsrichtlinien weltweit neu zu formulieren, sodass der Grad der Verarbeitung von Lebensmitteln zusammen mit nährstoffbasierten Empfehlungen stärker aufgezeigt wird.

Zu den stark verarbeiteten Lebensmitteln gehören neben verpackten Backwaren und Snacks auch kohlensäurehaltige Getränke, zuckerhaltige Cerealien sowie verzehrfertige oder vorgegarte Produkte. Letztere besitzen oft einen hohen Anteil an zugesetztem Zucker, Fett und/oder Salz. Wie bei vielen fertigen Lebensmitteln fehle es dabei häufig an Vitaminen und Ballaststoffen.

Höheres Darmkrebsrisiko bei Männern

In der Vergangenheit haben Studien bereits den Verzehr derartiger Lebensmittel mit einem höheren Risiko für Fettleibigkeit, Bluthochdruck, Cholesterin und einigen Krebsarten in Verbindung gebracht. Nur wenig Beachtung fanden dagegen bislang mögliche Folgen für den Magen-Darm-Trakt wie beispielsweise ein erhöhtes Darmkrebsrisiko. Bis jetzt.

In der ersten Studie untersuchten die Forscher den Zusammenhang zwischen dem Verzehr von extrem stark verarbeiteten Lebensmitteln und dem Darmkrebsrisiko bei Erwachsenen in den USA. An der Studie nahmen 46.341 Männer und 159.907 Frauen teil, die in US-amerikanischen Gesundheitsberufen tätig sind. Ihre Ernährung wurde über einen Zeitraum von 24 bis 28 Jahren alle vier Jahre anhand detaillierter Fragebögen untersucht.

Für die Studie wurden die verzehrten Lebensmittel nach ihrem Verarbeitungsgrad in Gruppen eingeteilt. Gleichzeitig wurde bei den Probanden die Häufigkeit von Darmkrebserkrankungen gemessen. Dabei berücksichtigten die Forscher auch medizinische Faktoren sowie den Lebensstil der Studienteilnehmer. Insgesamt ließ sich ein Unterschied zwischen Männern und Frauen feststellen.

Bei den männlichen Probanden zeigte sich, dass diejenigen, die am häufigsten stark verarbeitete Lebensmittel verzehrten, ein um 29 Prozent höheres Risiko hatten, an Darmkrebs zu erkranken. Dieses signifikante Bild blieb auch nach weiteren Anpassungen an den Body-Mass-Index oder der Qualität der Ernährung bestehen. Das erhöhte Risiko ging vor allem einher mit verzehrfertigen Produkten auf Fleisch-, Geflügel- und Meeresfruchtbasis sowie zuckergesüßten Getränken. Bei Frauen war dagegen lediglich eine Ernährung aus verzehrfertigen Mischgerichten mit einem erhöhten Darmkrebsrisiko verbunden.

Menschen mit gesunder Ernährung leben länger

In der zweiten Studie analysierten die Forscher zwei verschiedene Lebensmittelklassifizierungssysteme in Bezug auf die Sterblichkeit. Zum einen untersuchten sie ein System, das zur Ableitung des farbcodierten Nutri-Score-Etiketts (Nährwertkennzeichnung) auf Lebensmittelverpackungen verwendet wird, und zum anderen die NOVA-Skala, mit der der Grad der Lebensmittelverarbeitung bewertet wird.

Das neue Nährwertlogo Nutri-Score mit seiner fünfstufigen Farb- und Buchstabenskala soll einen Überblick über die Nährwertbewertung eines Lebensmittels geben. Foto: Patrick Pleul/zb/dpa/dpa

An der Studie nahmen insgesamt 22.895 italienische Erwachsene (davon 52 Prozent Frauen) mit einem Durchschnittsalter von 55 Jahren teil. Ziel der Studie war es, genetische und umweltbedingte Risikofaktoren für Herzerkrankungen und Krebs zu untersuchen.

Über einen Zeitraum von 14 Jahren (von 2005 bis 2019) wurden sowohl die Menge als auch die Qualität der konsumierten Lebensmittel und Getränke bewertet. Gleichzeitig zählten die Forscher die Todesfälle unter Berücksichtigung der zugrunde liegenden Krankheiten.

Die Ergebnisse des Nutri-Score-Systems zeigten, dass Personen mit der am wenigsten gesunden Ernährung im Vergleich zu Menschen mit der gesündesten Ernährung ein um 19 Prozent höheres Sterberisiko jeglicher Ursache besaßen. Fast jeder Dritte (32 Prozent) davon starb infolge einer Herz-Kreislauf-Erkrankung. Ein ähnliches Bild zeigt auch die Untersuchung der NOVA-Skala. So lag hier ein 19 Prozent höheres allgemeines Sterberisiko vor sowie ein 27 Prozent höheres Risiko, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben.

Die Forscher erklären das erhöhte Sterblichkeitsrisiko unter anderem mit dem höheren Grad der Lebensmittelverarbeitung. Da es sich bei beiden Studien um Beobachtungsstudien handelt, weisen die Wissenschaftler darauf hin, dass die genaue Ursache nicht festgestellt werden konnte. Zudem sei es möglich, dass ein Teil der Risiken auch auf andere, nicht gemessene Faktoren zurückzuführen sein könnte.

Selber kochen statt stark verarbeitete Lebensmittel

Die aktuellen Ergebnisse bestätigen damit bereits ältere Untersuchungen, die ebenfalls einen Zusammenhang zwischen stark verarbeiteten Lebensmitteln und schlechter Gesundheit herstellten.

Für die Forscher ist klar, dass ein Umdenken bei den Menschen notwendig ist. So hilft der Verzicht auf stark verarbeitete Lebensmittel der eigenen Gesundheit und der der allgemeinen Bevölkerung. Denn „niemand möchte Lebensmittel, die krank machen“, argumentieren brasilianische Forscher.

Die positive Gesamtlösung bestehe darin, die Versorgung mit frischen und möglichst wenig verarbeiteten Lebensmitteln attraktiv und erschwinglich zu machen. Weiterhin solle es mehr Unterstützung und Förderung frisch zubereiteter Mahlzeiten geben. „Wenn dies umgesetzt wird, fördert es die öffentliche Gesundheit. Es wird auch die Familien, die Gesellschaft, die Wirtschaft und die Umwelt fördern“, schließen die Forscher.



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