„Balsam für die Seele“: Emotionaler Post berührt Herzen der Facebook-User

"Irgendwo in einem Krankenhaus in Frankfurt liegt eine Mutter, die - selbst ins Gleisbett geschubst - ihr Kind sterben sah." In einem Facebookpost berichtet eine Augenzeugin über das grausame Unglück auf dem Frankfurter Hauptbahnhof.
Titelbild
Das Blumenmeer am Frankfurter Hauptbahnhof und unzählige Kuscheltiere erinnern an das tragische Unglück, über das eine Augenzeugin auf Facebook einfühlsam berichtet.Foto: Epoch Times
Epoch Times1. August 2019

Das Unglück von Frankfurt ist in aller Munde. Auch auf Facebook wird darüber berichtet. In einem ganz besonders mitfühlenden Beitrag berichtet Karin Schmidt-Friderichs, Verlegerin beim Verlag Hermann Schmidt, wie sie als Augenzeugin den Vorfall erlebt hat. Ihr Beitrag wurde 13.275 Mal geteilt und fast 4.500mal kommentiert. Eine Leserin beschreibt ihre Worte als „Balsam für die Seele“. Doch nicht alle Kommentatoren zeigen Mitgefühl. Dazu schreibt die Verlegerin:

Und ich wünsche mir nichts mehr, als dass die teilweise fragwürdigen Kommentare unter meinem Post nicht ernst genommen werden. Wer sich positioniert, riskiert rassistische und sonstwie fragwürdige Antworten. Ich kommentiere sie nicht. Und manche mag ich auch nicht lesen. Ich danke aber ausdrücklich für die einfühlsamen Anmerkungen… herzlich ksf“

Sie schrieb gestern:

„Ich war heute in Frankfurt auf der Höhe der Unglücksstelle zwei Gleise entfernt. Der entsetzliche Schrei klingt nach. Und das Erlebnis, wildfremde Menschen fest in den Arm zu nehmen, weil sie sichtlich Schockreaktionen zeigen.

Ich habe erlebt, dass direkt im Anschluss weintrinkende Menschen auf reservierte Plätze in Ersatzzügen bestehen, aber auch, dass Menschen ihre Koffer öffnen, saubere Kleidung auf den Boden legen, damit verstörte Menschen ihre Füße hochlegen können. Wenn etwas Schlimmes passiert, zeigt sich fratzenhaft der wirkliche Charakter. Gute Züge (im Menschen) werden besser, schlechte schlechter. Das gilt auch für die Reaktionen aus Politik und Gesellschaft.

Der aggressive Täter kam aus Eritrea. Das darf nicht auf alle Menschen mit Migrationshintergrund oder dunkler Hautfarbe übertragen werden. Bitte nein. Viele Züge fielen aus oder hatten Verspätung. Ja, das nervt, ABER die Bahn hat megaschnell und hervorragend reagiert. Bahnsteige und Züge mussten geräumt und evakuiert werden, Menschen psychologisch betreut, der Täter gefasst. In weniger als fünf Minuten waren mehr als fünfzig Helfer, Sanitäter, Polizisten am Gleis. Reisende halfen einander.

Es ist immer sehr einfach, zu schimpfen. Zu verurteilen.
Und Gewalt gehört verurteilt. Immer. Egal, von wem sie ausgeht und wie die Hautfarbe und Herkunft ist.

Wir werden über Sicherheit nachdenken müssen und über die Frage, woher derart widerwärtige Aggression kommt.

Wir sollten aber auch nicht vergessen, dass heute in Frankfurt wildfremde Menschen einander in den Armen lagen, miteinander weinten und zitterten, einander bei Gleiswechseln mit den Koffern halfen und zusammen rückten, damit drei Menschen auf zwei Plätzen sitzen konnten. Die Wahrheit ist komplex. Und immer komplexer als rechte Idioten sie jetzt ausschlachten..

Ich höre den Schrei noch und wünschte, ich könnte ihn vergessen. Ich spüre aber auch, dass das Gute heute am Frankfurter Hauptbahnhof etwas besser war. Und ich wünsche mir so, dass wir auch das sehen. Kultivieren. Ausbauen.

Irgendwo in einem Krankenhaus in Frankfurt liegt eine Mutter, die – selbst ins Gleisbett geschubst – ihr Kind sterben sah. Das Schlimmste, was ein Mensch erleben kann. Ich bin nicht gläubig, aber jetzt vor dem Einschlafen werde ich beten. Für die Frau, die zehn Meter von mir entfernt ihr Kind verlor. Und ich werde bitten, dass die Tatsache, dass der Idiot, der das tat Eritäer war, das Klima in Deutschland nicht weiter vergiftet…“


(sua)