US-Kongress veröffentlicht 40.000 Stunden Videos zu Sturm auf Kapitol – Gesichter bleiben verpixelt

Der neu gewählte Sprecher des Repräsentantenhauses, Mike Johnson, hat die Veröffentlichung von 40.000 Stunden Videomaterial zum Sturm auf das Kapitol vom 6. Januar 2021 angekündigt. Allerdings bleiben Gesichter verpixelt – und es gibt Vorbehalte zur „nationalen Sicherheit“.
Der «Schamane» war mit anderen bis in den Sitzungssaal des Senats in Washington vorgedrungen.
Der "Schamane" war mit anderen bis in den Sitzungssaal des Senats in Washington vorgedrungen.Foto: Manuel Balce Ceneta/AP/dpa
Von 18. November 2023

Der seit 25. Oktober amtierende Sprecher des US-Repräsentantenhauses, Mike Johnson, hat am Freitag, 17.11., die Veröffentlichung umfangreichen Videomaterials zum 6. Januar 2021 angekündigt. Insgesamt 40.000 Stunden an Material aus den Überwachungskameras des Kongressgebäudes sollen Aufschluss über die Ereignisse rund um den Sturm auf das Kapitol geben. Damit löse er sein „Versprechen gegenüber dem amerikanischen Volk ein“, so Johnson.

Mit der Veröffentlichung sollen „alle Aufzeichnungen vom 6. Januar für alle Amerikaner zugänglich“ werden, betonte der Sprecher. Dies solle dem Bedürfnis der Öffentlichkeit nach „Wahrheit und Transparenz“ Genüge tun.

Johnson: „Halte damit mein Versprechen gegenüber den Amerikanern“

Wie die englischsprachige Epoch Times berichtet, werden die Videoaufzeichnungen schrittweise auf einer speziell dafür eingerichteten Webseite hochgeladen. Bereits jetzt sind über den Online-Schauraum eines Unterausschuss des Verwaltungsausschusses des Repräsentantenhauses etwa 90 Stunden an Sicherheitsvideos verfügbar.

Diese hatte dessen Vorsitzender Barry Loudermilk freigegeben. Bereits zuvor waren mehrere Medien in den Besitz der dortigen Aufzeichnungen gelangt.

Transparenz in diesem Bereich sei erforderlich, um „das Vertrauen der Amerikaner in ihre Regierung wiederherzustellen“, äußerte Johnson auf X. Die Veröffentlichung sei „ein weiterer Schritt zur Einhaltung der Versprechen, die ich bei meiner Wahl zum Parlamentspräsidenten gegeben habe“.

Nun könne sich die Öffentlichkeit selbst ein Bild über die damaligen Ereignisse verschaffen, statt sich auf „Interpretationen weniger Politiker“ verlassen zu müssen.

„Sicherheitsempfindliche“ Videos zu Sturm auf Kapitol noch zurückgehalten

Kritische Stimmen bemängeln allerdings schon jetzt, dass es eine vollständige Transparenz auch jetzt nicht geben werde. So habe jener Kongressausschuss, der sich mit dem Sturm auf das Kapitol beschäftigt habe, das Material geprüft.

Zudem seien Gesichter identifizierbarer Personen unkenntlich gemacht worden. Grund dafür sei das Bestreben, mögliche Vergeltungsaktionen gegen Beteiligte zu verhindern. Loudermilk kündigte an, man werde „weiterhin Videomaterial laden, während wir unsere Ermittlungen durchführen und das Material weiterhin überprüfen“.

Er erklärte auch, dass es aktuellen Schätzungen zufolge etwa 40.000 Stunden an Material gebe. Dieses wolle man im Laufe der kommenden Monate schnellstmöglich veröffentlichen. Allerdings würden derzeit einige Aufnahmen noch zurückgehalten. Dies sei etwa dann der Fall, wenn diese als „sicherheitsempfindlich“ eingestuft werden oder zur Belästigung von Privatpersonen führen könnten.

Optimierte Einsichtnahme in Videos im Kongress selbst möglich

Ein hochrangiger Berater des Kongresses erläuterte gegenüber der englischsprachigen Epoch Times weiter, dass es auch die Möglichkeit gebe, das Material offline anzusehen. Dafür müsse man via E-Mail an [email protected] einen Termin beantragen. Zu diesem könne man dann auf Terminals des Kongressausschusses selbst in das Material Einsicht nehmen.

Diese Option werde ab dem 20. November zur Verfügung stehen. Dabei hätten Zuschauer einige Vorteile gegenüber der Onlinefassung. So ließen sich einzelne Kameras zur Ansicht über eine interaktive Karte herunterladen und es sei auch eine zeitliche Eingrenzung möglich.

Bereits am 6. Januar dieses Jahres hatte der damalige Sprecher des Repräsentantenhauses, Kevin McCarthy, eine Freigabe des Materials angekündigt. Umgesetzt wurde diese Zusage allerdings nicht. Seit der Veröffentlichung von Ausschnitten der Videoaufnahmen in mehreren Medien ist der Druck der Öffentlichkeit auf eine Veröffentlichung größer geworden. Auch Angeklagte hatten diese verlangt.

Tucker Carlson hatte bereits im März Material vom Sturm auf das Kapitol publiziert

Unter anderem hatte der damals noch bei „Fox News“ tätige Moderator Tucker Carlson im März des Jahres exklusiv Aufnahmen von besagtem Tag veröffentlicht. Aus diesem gehe hervor, dass die bis dahin etablierte Erzählung von einem gewalttätigen Sturm auf das Kapitol in dieser Pauschalität nicht haltbar gewesen sei.

Es habe zwar eingeschlagene Fenster und die gewaltsame Öffnung einer Tür gegeben. Allerdings hätten Bundesbeamte Demonstranten nicht angehalten oder gestoppt. Vielmehr habe man Beteiligte „wie bei einem Sightseeing durch den Kongress geführt“ – unter anderem den „QAnon-Schamanen“ Jacob Chansley. Dieser gilt seit den Ereignissen gleichsam als Symbolfigur für den Sturm auf das Kapitol. Er wurde später zu vier Jahren Haft verurteilt.

Vonseiten der US-Regierung hieß es später, die „Führung“ durch den Kongress sei erfolgt, um die Lage zu deeskalieren. Am 6. Januar 2021 stand die Auszählung der Stimmen des Electoral College und Bestätigung der Wahl von Joe Biden zum 46. Präsidenten der USA im Kongress auf dem Programm.

Auf Grundlage des Narrativs eines angeblich weit verbreiteten Wahlbetruges zu Ungunsten seines Gegenkandidaten Donald Trump wollten einige seiner Anhänger dies verhindern. Damals kam es zu mehr als 1.200 Festnahmen und mehreren Anklagen. Auch gegen Ex-Präsident Donald Trump kam es in diesem Zusammenhang zu einer Anklage.

Argwohn aufseiten zahlreicher X-Nutzer bleibt erhalten

Die Ankündigung Johnsons stieß unter anderem bei Angeklagten wie William Pope aus Topeka, Kansas, auf Skepsis. Er wittert auf X einen „Publicity-Gag“ des Kongresses. Immerhin werde „wichtiges Material“ zurückgehalten, das man „uns ‚eines Tages‘ in einem ‚zukünftigen‘ Stapel zur Verfügung stellen“ werde. Das FBI habe im Januar 2021 sämtliche Stapel erhalten, dies müsse auch für das amerikanische Volk gelten.

Auch das Unkenntlichmachen von Gesichtern Beteiligter würde „das öffentliche Vertrauen untergraben“. Die Amerikaner würden „niemals unscharfe[m] und bearbeitete[m] J6-Material glauben“. Einige weitere X-Nutzer warfen ebenfalls die Frage auf, wie man sich sicher sein könne, dass keine Bearbeitung der online gestellten Daten stattgefunden habe.



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