Nach MDR-Eklat: Wiebke Binder interviewt Höcke in ARD-Wahlsendung ohne Widerworte
Ein gebranntes Kind steht vor der Kamera. Moderatorin Wiebke Binder, die nach den Septemberwahlen eine mögliche Koalition aus CDU und AfD als „bürgerlich“ bezeichnet hatte, wurde vom MDR erneut als Moderatorin für die Landtagswahlen eingesetzt. Dabei wurde dem laut „Focus“ „umstrittensten und radikalsten Spitzenpolitiker der AfD“ Björn Höcke nach seinem Wahlerfolg in Thüringen viel Raum während der Berichterstattung in den Öffentlich-Rechtlichen gewährt.
Wiebke Binder interviewte Höcke. Die ARD-Moderatorin stand dabei unter Beobachtung. SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil hatte sie im September für Teile ihrer Wahlsendung scharf kritisiert und der Moderatorin samt MDR vorgeworfen, „dass man auf einmal eine Koalition mit der AfD verharmlost“. Der MDR hatte sich im Nachhinein auf Twitter für das „Missverständnis“ und die „Unschärfe“ der Moderatorin entschuldigt.
Zur Sendung „Landtagswahl in Sachsen und Brandenburg“ @DasErste: Unter dem enormen Stress einer Live-Sendung bei einer solchen Doppelwahl mit ständig neuen Ergebnissen und wechselnden Konstellationen kann es zu Missverständnissen kommen und können Unschärfen passieren @mdrde
— MDR Presse (@MDRpresse) September 1, 2019
Dazugelernt?
Im diesmaligen Interview mit Höcke kurz nach den ersten Prognosen zeigte der MDR eine deutlich zurückhaltende Moderatorin. „Zwar leistete sich Binder keinen Fauxpas wie im September, aber wirklich souverän wirkte sie nicht“, heißt es im „Focus“.
„Unfassbar“ fand es Twitter-Userin Sarah, dass Wiebke Binder überhaupt wieder mit der Berichterstattung beauftragt wurde. Sie schrieb:
Mit ihrer Meinung stand Sarah nicht allein. Einer schrieb: „Mein Gott@MDRAktuell habt ihr nichts von der #ltwsn gelernt? Oder warum lasst ihr Wiebke Binder schon wieder die Wahlsendung in der@DasErste moderieren?“
Der User „Ethik in die Politik“ postete dagegen: „Ist genau richtig, bravo MDR!“
Keine Widerworte gegen Höcke
Höcke durfte in Binders Sendung ohne Widerworte seinen Stolz auf die Wahlergebnisse zeigen und von der „erschlafften“ parlamentarischen Demokratie sprechen. Er durfte sagen, dass eine Beteiligung der AfD bei der Regierungsbildung nach wie vor vom Bundestag unterbunden werde. Und das trotz guter Wahlergebnisse. Dabei sei die AfD eine „bürgerlich-patriotische Partei“. Kein Einspruch, keine Nachfrage, kein Hinweis der Moderatorin darauf, dass das Gericht die Bezeichnung „Faschist“ für Höcke offiziell gebilligt hat.
#Höcke darf unwidersprochen von #MDR-Moderatorin Wiebke Binder in der ARD behaupten: „Diese Parteiendemokratie ist erstarrt…“ Nachdem die Wahlbeteiligung in #Thüringen deutlich gestiegen ist #ltwth19 #ltwThueringen
— Andreas Petzold (@andreaspetzold) October 27, 2019
Dass auch AfD-Chef Alexander Gauland im MDR ungebremst seine Partei als „bürgerliche Volkspartei“ bezeichnen konnte, monierte „Zeit-Online“. In einem Interview hatte Gauland erklärt, dass Höcke nur das klar aussprechen würde, was viele denken. Das hätte mit „rechtsextrem“ nicht zu tun. Wenigstens die Gegenfrage, was rechtsextrem bedeuten würde, hätte doch gestellt werden können, so „Zeit-Online“.
Lediglich ZDF-Moderatorin Bettina Schausten korrigierte AfD-Vize Jörg Meuthen dahingehend, dass laut CDU die AfD nicht als bürgerlich angesehen würde.
Der Frage, ob die AfD als bürgerliche Partei gewertet wird, ging auch „WAZ“ nach. Seit den Septemberwahlen läuft dort eine Umfrage, zu der bislang 13.019 Stimmen abgegeben worden sind. Demnach sehen 43 Prozent die AfD als bürgerliche Partei, 52 Prozent sind dagegen. Fünf Prozent bezogen eine neutrale Haltung.
Björn Höcke, AfD-Spitzenkandidat in Thüringen, hat indes angesichts des Wahlergebnisses bei der Landtagswahl die generelle Bereitschaft der AfD für die Bildung einer Regierung betont. Gegenüber dem Fernsehsender Phoneix sagte Höcke:
„Wir stehen zu unserem Wort, wir wollen staatspolitische Verantwortung tragen. Wir sind eine bürgerlich-patriotische Kraft, die in den letzten fünf Jahren eine gute parlamentarische Arbeit in der Opposition gemacht hat – und jetzt wollen wir regieren.“ (dts/sua)
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