ChatGPT droht auch in Deutschland das Aus

Aufgrund von Datenschutzbedenken hat Italien die Nutzung von ChatGPT vorübergehend ausgesetzt. Der Bundesdatenschützer Ulrich Kelber hält eine Sperrung der KI-Software auch in Deutschland für möglich.
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Die neue KI-Software ChatGPT kann sekundenschnell Texte schreiben.Foto: iStock
Epoch Times3. April 2023

Die Nutzung der KI-Software ChatGPT könnte wie in Italien aufgrund von Datenschutzbedenken auch in Deutschland vorübergehend ausgesetzt werden. „Grundsätzlich ist ein entsprechendes Vorgehen auch in Deutschland möglich“, sagte der Sprecher des Bundesbeauftragten für den Datenschutz, Ulrich Kelber, dem „Handelsblatt“ (Dienstagsausgabe). Dies fiele jedoch in den Zuständigkeitsbereich der Landesdatenschutzbehörden, da es sich bei dem in den USA ansässigen Betreiber Open AI um ein Unternehmen handele.

Dessen ungeachtet hat Kelbers Behörde die italienische Datenschutzaufsichtsbehörde bereits um „weiterführende Informationen“ zur Sperrung von ChatGPT gebeten. Diese würden dann an die zuständigen Landesdatenschutzaufsichtsbehörden und Landesmedienanstalten weitergegeben, sagte der Sprecher.

Die italienische Datenschutzbehörde hatte am Freitag die vorläufige Sperrung des auf Künstlicher Intelligenz basierenden Textprogramms ChatGPT angeordnet. Die Behörde teilte mit, als Entwickler dürfe das US-Unternehmen Open AI die Daten italienischer Nutzer ab sofort nur noch eingeschränkt verarbeiten. ChatGPT habe sich nicht an Regeln zum Daten- und Jugendschutz gehalten.

Keine Rechtsgrundlage für gespeicherte Daten

Kritisiert wird vor allem, dass Open AI keine Rechtsgrundlage für das massenhafte Sammeln und Speichern personenbezogener Daten besitze. Zudem fehle es etwa an einer Alterskontrolle für Minderjährige. Der frühere Datenschutzbeauftragte von Baden-Württemberg, Stefan Brink, kritisierte das italienische Vorgehen:

„Zwar nutzt KI regelmäßig auch personenbezogene Daten zu Trainingszwecken“, sagte der Direktor des wissenschaftlichen Instituts für die Digitalisierung der Arbeitswelt (Wida) dem „Handelsblatt“. Soweit die Daten allerdings aus dem Internet bezogen würden, „überwiegen regelmäßig die berechtigten Interessen der Entwickler gegenüber Schutzbedürfnissen von Betroffenen“.

Brink riet den deutschen Aufsichtsbehörden, die Entwicklung zu beobachten, aber nicht wie in Italien „effekthaschend und öffentlichkeitswirksam vorsorgliche Gegenpositionen aufbauen“. Es sei nicht die Aufgabe von Aufsichtsbehörden, neue Technologien der Digitalisierung aufzuhalten. „Aufklärung hilft sicherlich, aber nicht Bedenkenträgerei.“

Ethikrat für Entwicklungspause bei KI

Die Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, Alena Buyx, spricht sich indes für eine Entwicklungspause bei Künstlicher Intelligenz aus. Auch wenn es „viel positives Potenzial“ bei der KI gebe, seien auch Risiken damit verbunden, sagte sie dem Radiosender MDR Aktuell. Ein Moratorium halte sie „durchaus für sinnvoll“.

Auch wenn man nicht alles und jeden aufhalten könne, hätten die „großen, seriösen Player“ ein Interesse an einer Klärung der Risiken. Bereits jetzt brächten die vorhandenen Systeme Probleme mit sich, zum Beispiel in sozialen Medien. Buyx sprach in diesen Zusammenhang von „Desinformationsmaschinen“. Sie fügte hinzu, dass diese Entwicklung „natürlich gefährlich“ sei. (dts/dl)



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