Fachdialog „Grüner Surfen“

Bundesumweltministerium will einheitliches Zertifikat für „ökologischen IT-Dienstleistungen“ einführen
Von 7. November 2007

Der Fachdialog „Grüner Surfen“ fand im Rahmen des „nationalen Dialogprozesses zur Förderung nachhaltiger Konsum- und Produktionsmuster in Deutschland“ Ende Oktober 2007 im Bundesumweltministerium in Berlin statt. Es wurden vielfältige Themen rund um den Ressourcenverbrauch des Internets und moderner Kommunikationstechnologie von namhaften Referenten vorgetragen.

Siegfried Behrendt vom Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT) veranschaulichte den Energieaufwand bei der Verwendung von PDFs versa xml-Dateiformaten. Er erklärte wie je nach Datenformat die individuelle Abfrage eines Dokuments im Vergleich zu kontinuierlich gesendeten Informationen, beispielsweise eines digitalen terrestrischen Fernsehsignals, erheblich mehr Ressourcen benötigt. So müsse im Hinblick auf den Ressourcenverbrauch immer ein optimales Zusammenspiel von Hard- und Software gefunden werden.

Rolf Kersten vom weltweit tätigen Computerhersteller Sun veranschaulichte, dass in den westeuropäischen Servern im Jahr 2006 37 Terawattstunden verbraucht wurden, etwa 4 Mal soviel, wie von Cattenom, dem größten französischen Kernkraftwerk jährlich erzeugt wird. Seither habe sich der Zuwachs an Servern noch beschleunigt. Eine einzige Auktion bei Ebay koste 30 Wattstunden elektrischer Energie oder 18 g CO2 und eine Website verbraucht beim Webhoster Strato durchschnittlich eine Kilowattstunde oder 600 g CO2 im Jahr. So wären laut Sun Hardwareoptimierungen der Server und Virtualisierung der darauf laufenden Prozesse unerlässlich, um den weiter steigenden Energieverbrauch einzugrenzen.

Der Routerhersteller Cisco möchte gemäß Sabine Lobmeier, mit seinem Produkt „Telepresence“ bereits hausintern jeden dritten Flug der Führungsebene im Unternehmen ersetzen. Allerdings ist das mehr als 300.000 Euro teure System in seiner Umweltverträglichkeit auch nicht völlig unumstritten, weil der Gebrauch großer hochauflösender Bildschirme unter anderem nicht eben wenig Energie zur Darstellung und Bereitstellung der Bandbreite benötigt. Dennoch stellt es eine interessante Alternative vor allem zu Langstreckenflügen dar und wird bei größerer Verbreitung sicher auch günstiger anzubieten sein.

Philipp Koch von der Nine Internet Solutions AG gab an, dass seine Firma den Weg einer vollständigen CO2-Kompensation beschreitet und somit als erster Schweizer Internetprovider klimaneutrales Webhosting anbietet.

Die Deutsche Telekom, so referierte Claudia Schwab, wird ihr nächstes „Sinus 301“-Telefon CO2-Neutral an die Konsumenten bringen und hat alles dazu unternommen hochwertige CO2-Kompensationen einzukaufen und dennoch die Geräte nur mit geringen Mehrkosten auf den Markt zu bringen. Auch gibt es bereits bei der Telekom Pilotprojekte die sich mit dem Betrieb von Rechenzentren auf Brennstoffzellenbasis beschäftigen.

Für Damian Schmidt, dem Vorstandsvorsitzenden von Strato wird die Zukunft der CO2-freien Datenverarbeitung mit dem Re-Engineering des Betriebs von Rechenzentren erreicht und nicht mit dem Handel von Kompensationszertifikaten. Durch eine Server-Auslastung von bis zu 90 Prozent werden, laut seinem Vortrag, CPUs und somit Stromverbrauch und Wärmelast eingespart. Die speziell an Suns Architektur angepasste Software bei Strato trägt zur gleichmäßigen Auslastung bei. Die eingesetzten AMD-Prozessoren werden bedarfsweise besonders in den Nachtstunden Prozessorkomponenten stilllegen können, so dass die in „kalten und warmen Gängen“ zirkulierende Luft in den Strato-Rechenzentren auf Minimaltemperatur gebracht wird. In den vergangenen 18 Monaten wurde so mit 30 Prozent Einsparung bereits das erreicht, was Google erst noch zu erreichen plant. Darüber hinaus wird Strato ab Januar 2008 ausschließlich Strom aus regenerativen Energien aus Laufwasserkraftwerken für seine Rechenzentren beziehen.

Florian Spatz von Igel Technology, ein Hardwarehersteller der unter anderem im Bereich Thin Clients tätig ist bewarb die Energieersparnisse mit eben diesen Thin Clients. Jeder dieser abgespeckten PCs braucht durchschnittlich 17 Watt und zieht weitere positive Effekte hinsichtlich Ressourcenverbrauch nach sich. So sind bei einem Hardwareupgrade der dafür benötigten Server nur diese und nicht die Thin Clients betroffen. So ist auch die Lebenszeit der Thin Clients doppelt bis fünffach so hoch wie die eines normalen PCs.

Das Bundesumweltministerium führte in seinem Vortrag, gehalten von Dr. Ulf Jaeckel schließlich aus, dass darüber nachgedacht wird ein einheitliches Zertifikat von „ökologischen IT-Dienstleistungen“ einzuführen. Dieses Zertifikat soll ähnlich dem „blauen Engel“ sein und möglichst eine drohende Flut von Zertifikaten und somit Verunsicherung der Konsumenten vermeiden helfen. Ziel sei es auch, jetzt die Kunden zu aktivieren, damit diese die gebotenen und künftig vielleicht geförderten Möglichkeiten auch wahrnehmen und Leitfäden für alle Beteiligten zu erarbeiten.



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