Strom ohne Netz – Sonnenmodule aus Wismar arbeiten autark

Krankenhäuser in Afrika, Tsunami-Messbojen in Asien oder Wetterstationen in der Arktis - sie alle beziehen ihren Strom direkt von der Sonne.
Von 14. Februar 2007

Die Sonnenstromfabrik in Wismar an der Ostsee ist eigenen Angaben zufolge europäischer Marktführer für die Produktion autarker Photovoltaik-Systeme. Der Bedarf an solchen «Insel-Anlagen» ohne Netzanschluss wachse weltweit kontinuierlich um 10 bis 20 Prozent pro Jahr, sagt Ralf Hennigs. Der 40-Jährige (geboren 2.6.1966) ist Geschäftsführer der Hamburger Solara AG, der die Fabrik gehört.

Ein extrem hoher Strombedarf aus autarken Quellen bestehe zum Beispiel in Trockengebieten, sagt Hennigs. «Sonnenreiche Regionen leiden oft zugleich auch unter Wassermangel.» Hier greifen die Wismarer ein: Seit 2006 rüsten sie Bohrbrunnenpumpen eines dänischen Herstellers für die Wassergewinnung in Afrika, in den USA und Südeuropa mit ihren Sonnenkollektoren aus. Das Besondere: Dank einer speziellen Bauweise aus vielen kleinen statt wenigen größeren Silizium-Zellen schaffen diese Module mit 110 Watt Leistung auch eine hohe Spannung. Damit können sie Wasserpumpen mitten in der Wüste antreiben: Wenn die Sonne scheint, arbeitet die Pumpe und holt das Leben spendende Nass aus einer Erdtiefe von bis zu 120 Metern empor.

2006 produzierte Solara in Wismar rund 5 000 Pumpenmodule, die zehn Prozent des Umsatzes von insgesamt 29 Millionen Euro ausmachten. Pro Brunnen werden je nach Tiefe und Fördermenge ein bis sechs Module benötigt, erklärt Hennigs. Im neuen Jahr sollen bereits bis zu 20 000 solcher «Sonnenkraftwerke» zur Wasserversorgung weltweit geliefert werden. Insgesamt plant die Fabrik 2007 eine Produktion von 80 000 Modulen. Umgerechnet könnten diese mehr als 4 200 Haushalte mit sauberem Strom versorgen und dabei – im Vergleich zur Energiegewinnung aus fossilen Brennstoffen – einen Ausstoß von rund 9 600 Tonnen Kohlendioxid vermeiden.

Auch Photovoltaik-Anlagen für den Einsatz auf offener See sind für das Unternehmen eine wichtige Nische: 2006 lieferte Solara beispielsweise 36 Spezialmodule für ein neues Tsunami-Frühwarnsystem, das zwei Jahre nach dem verheerenden Seebeben im Indischen Ozean installiert wird. Neben den Tsunami-Messbojen rüsten die Wismarer auch eisgängige Seezeichen mit extrem robuster wie auch salzwasserbeständiger Solartechnik aus. Dazu kooperiert die Firma mit dem finnisch-deutschen Unternehmen Sabik, das unter anderem in Mecklenburg-Vorpommerns Landeshauptstadt Schwerin ferngesteuerte Signalanlagen für Seewasserstraßen entwickelt und baut.

Solarkollektoren aus Wismar werden dafür nicht nur in der Klimakammer, sondern in diesem Winter auch in der Nordsee getestet, erklärt Hennigs. Steigenden Bedarf für autarke Solaranlagen sieht Hennigs beim Ausrüsten von Yachten, Wohnmobilen und Ferienhäusern sowie der Versorgung von abgelegener Messtechnik oder landwirtschaftlichen Anlagen wie Weidezäunen und Viehtränken mit Strom.

In die im Jahr 2001 eröffnete Wismarer Produktionsstätte wurden bisher rund 3,5 Millionen Euro investiert. 2007 fließen weitere 400 000 Euro in die Automatisierung der ersten von zwei Fertigungslinien mit dem Ziel, die Produktion zu verdoppeln. «Spezialmodule in Kleinserien werden aus Gründen der Flexibilität aber weiterhin manuell zusammengelötet», so der Geschäftsführer. Solara beschäftigt 100 seiner 125 Mitarbeiter in der Wismarer Fabrik. Am Standort Hamburg kümmert man sich um die Akquise und den Vertrieb.

Die ostdeutschen Bundesländer gelten laut Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) als «Solar Valley» oder das Ballungsgebiet für Solarunternehmen schlechthin. Die Investitionen belaufen sich gegenwärtig auf über eine Milliarde Euro. Verheißungsvoll seien die Exportaussichten der Branche, hieß es. Insbesondere im sonnenverwöhnten Südeuropa – Zielgebiet auch der Wismarer für ihre netzgebundenen Solarsysteme – zeichnet sich laut Verband ein Boom ab, da neue gesetzliche Regelungen zu Gunsten erneuerbarer Energien die Markterschließung dort vorantreiben.

(dpa)



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