Der Freund der Schmetterlinge

"Der Seitz", das vielbändige Monumentalwerk über die Schmetterlinge der Erde, ist ein Grundpfeiler der Insektenwissenschaft. Sein Verfasser, Adalbert Seitz, war von 1893 bis 1908 Zoodirektor in Frankfurt. Der Schmetterlingsforscher, den zahlreiche Expeditionen in nahezu alle Erdteile geführt haben, wurde vor 150 Jahren geboren.
Titelbild
Foto: Matthias Kehrein/The Epoch Times Deutschland
Epoch Times18. Februar 2010

Frankfurt am Main (pia) –  Sein Name ist untrennbar mit seinem Werk verbunden. Mehr als 50 Jahre lang beschäftigte den Zoologen Adalbert Seitz die Herausgabe eines Werks, das alle Schmetterlinge der Erde beschreiben und abbilden sollte, um deren Bestimmung zu erleichtern. Die Idee dazu hatte er auf seiner allerersten Seereise, in Sydney 1887, als ihn der bekannte Naturforscher Sir William John Macleay anregte: „Das fehlt uns!“ Die erste Lieferung des Monumentalwerks „Die Großschmetterlinge der Erde“ gab Seitz 1906 heraus, während seiner Amtszeit als Direktor des Frankfurter Zoos. Geplant waren insgesamt 17 Doppelbände. Zudem kamen die Textbände in deutscher, englischer und französischer Sprache heraus. Bis zu seinem Tod 1938 hatte der Forscher seine Arbeit fast abgeschlossen. „Der Seitz“, wie das Werk in der internationalen Fachwelt allgemein genannt wird, wurde zum Grundpfeiler der entomologischen Wissenschaft. Die deutsche und die englische Ausgabe des prächtigen Tafelwerks erzielen heute antiquarisch einen Preis von etwa 10.000 Euro.

Als Schiffsarzt auf Exkursion

Vor 150 Jahren, am 24. Februar 1860, wurde Adalbert Seitz in Mainz geboren. Schon als Sechsjähriger sammelte er begeistert Schmetterlinge. Nach dem Abitur studierte er zunächst Medizin in Gießen. Später widmete er sich auch den Naturwissenschaften, besonders der Zoologie, und nach dem medizinischen Staatsexamen 1885 promovierte er schließlich mit einer Arbeit „Betrachtungen über die Schutzvorrichtungen der Thiere“ zum Doktor der Philosophie. „Liebe zur Natur und Sehnsucht in die Ferne“, so schreibt Seitz‘ Schülerin und Biografin Elli Franz, veranlassten ihn, „sich um eine Stelle als Schiffs-Arzt zu bewerben“. So kam er 1887 nach Australien, 1888/89 nach Südamerika, 1890/91 nach Ostasien. Die langen Wochen, die das Handelsschiff damals oft im Hafen liegen musste, nutzte Seitz zu Exkursionen ins Landesinnere, auf denen er Insekten und insbesondere Schmetterlinge beobachtete und sammelte. In anschaulichen und amüsanten Berichten hat er von seinen Erlebnissen auf diesen Reisen erzählt, etwa von einer Exkursion in der Umgegend von Singapur, auf der er bei der Schmetterlingsjagd in eine Tigerfalle stürzte. In derselben Gegend wurde er einmal von einer ganzen Horde von Java-Äffchen verfolgt, die es auf seine hellblaue Sammelschachtel abgesehen hatten.

Panzernashorn, Flusspferd und Seelöwen

Das Tagpfauenauge gehört zu der Familie der Edelfalter.Das Tagpfauenauge gehört zu der Familie der Edelfalter.Foto: Josef Jelkic/The Epoch Times Deutschland

Am 1. April 1893 wurde Adalbert Seitz, der sich inzwischen in Zoologie an der Universität Gießen habilitiert hatte, Direktor des Frankfurter Zoologischen Gartens. Entsprechend den Prinzipien seiner Zeit verstand er den Zoo noch als eine Tiersammlung, die er systematisch zu vervollständigen strebte. Im Lauf seiner 15-jährigen Amtszeit verdreifachte er den Tierbestand auf über 3.000 Tiere, wobei ihm seine weitreichenden Auslandsbeziehungen aus den Jahren „auf See“ äußerst nützlich waren. Zudem stellte er dem Tierhändler Josef Menges den Zoo als Zwischendepot zur Verfügung, so dass große Importe afrikanischer und australischer Tiere zuerst in Frankfurt gezeigt werden konnten. Im Interesse des breiten Publikums sorgte Seitz auch im Bestand des Tiergartens für attraktive Schautiere. So zogen 1896 ein Panzernashorn und ein Flusspferd, ein Geschenk des Brauereibesitzers Conrad Binding, oder 1902 ein Seelöwenpaar ein. Besonders am Herzen lag dem Direktor die Sammlung australischer Tiere, insbesondere der Kängurus, von denen schließlich 18 Arten in Frankfurt lebten.

Reptilienhalle und Insektenhaus im Frankfurter Zoo

Mit den Tierhäusern, die Seitz während seiner Amtszeit im Frankfurter Zoo errichtete, setzte er damals deutschlandweit Maßstäbe. Noch dem Gedanken der Tiergalerie entsprach das im Jahr 1900 vollendete Kleinsäugerhaus. Innovativ war jedoch die Flexibilität der Käfige, die durch Entfernung der Wände vergrößert werden konnten. Beim Bau eines speziellen Reptilienhauses brach Seitz mit der alten tiergärtnerischen Sitte, die sonnenbedürftigen Reptilien und Amphibien in dämmrigen Steingrotten dahinvegetieren zu lassen. Stattdessen gab der Direktor diesen Tieren ihren eigenen Platz in einem von Licht durchfluteten Aufbau auf dem Aquarium. Damit schuf er eine Gebäudeanordnung, die sich bis heute in der Gestalt des Exotariums erhalten hat. Die Reptilienhalle, die 1904 eröffnet wurde, ermöglichte außerdem die Haltung großer Krokodile und Riesenschlangen in Frankfurt. Auch im Zoo wollte Adalbert Seitz nicht auf Insekten und schon gar nicht auf seine geliebten Schmetterlinge verzichten. So schuf er ebenfalls im Jahr 1904 das erste Insektenhaus in einem deutschen Tiergarten. Zu dessen Unterhalt trugen die Schmetterlinge, die sich dort entwickelten, selbst bei: Bei den Zoobesuchern fanden sie reißenden Absatz als Souvenirs.

Schmetterlinge für das Senckenbergmuseum

Trotz seiner Erfolge als Zoodirektor trat Adalbert Seitz am 31. März 1908 von diesem Amt zurück, um sich völlig seinem Werk „Die Großschmetterlinge der Erde“ widmen zu können. Er lebte künftig in Darmstadt, blieb aber Frankfurt verbunden, zunächst für ein Jahr als Berater des Zoos. Von 1919 bis zu seinem Tod dann leitete er die entomologische Abteilung des Senckenbergmuseums, der er seine eigene reiche Schmetterlingssammlung übergeben hatte. Nie, auch während seiner Zeit als Zoodirektor, verzichtete er auf Sammlungsreisen. Seinen 70. Geburtstag 1930 verbrachte er in Brasilien. Es war seine letzte Tropenreise. „Ein paar Wochen Hitze verjüngten ihn um Jahre“, meinte zwar seine Biografin Elli Franz, doch suchte er „Sonne und Wärme“, die er zur Erholung brauchte, nun oft in Südtirol und der Schweiz. Am 5. März 1938 starb Adalbert Seitz nach kurzem schwerem Leiden in Darmstadt.

(Sabine Hock, Stadt Frankfurt am Main, Presse- und Informationsamt)

Foto: Matthias Kehrein/The Epoch Times Deutschland

 



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