Die „primäre Wahrnehmung“

Ein Interview mit Cleve Backster und ein Blick auf Inhalte seines Seminars zum Thema
Titelbild
Foto: zur Verfügung gestellt von Cleve Backster

Es existiert ein Gebiet der modernen Wissenschaft, mit dem Potential, unsere modernen Paradigmen vollständig in Frage zu stellen. Es benutzt den Begriff des Bewusstseins in Zusammenhängen und Situationen, in denen wir es nicht für möglich gehalten hätten und thematisiert Zusammenhänge zwischen Lebensformen, die verblüffend und unmöglich erscheinen.

Stellen Sie sich vor, Sie kommen gemeinsam mit einem Freund in ein Labor während sie sich miteinander unterhalten. Nach einer gewissen Zeit unterbricht er plötzlich das Gespräch und zeigt Ihnen eine Video-Aufzeichnung, die während der Unterhaltung gemacht wurde. Sie zeigt eine laufende Kurve, die wie ein Seismogramm aussieht und zeitgleich ist Ihr Gespräch zu hören. Was die Kurve anzeigt ist die elektrische Aktivität einer Pflanze, die in einer Ecke des Labors steht.

Sie werden vielleicht zu ihrem Erstaunen feststellen, dass die Pflanze bei jeder Gefühlsregung zwischen Ihnen und Ihrem Freund – das kann zum Beispiel Überraschung, Ekel oder  Beschämung sein – eine entsprechende Reaktion zeigt. Das erstaunliche aber ist, dieser Kurvenverlauf könnte genauso von einem Menschen stammen der, angeschlossen an einem Lügendetektor, dem Gespräch gelauscht hat.

Das ist eine Variante des Experiments, das das Phänomen der „primären Wahrnehmung“ beschreibt, wie sie ihr Entdecker Cleve Backster nannte. Die Ergebnisse eine Serie von Experimenten mit Pflanzen und anderen Lebensformen die er 1966 durchführte lassen darauf schließen, dass es eine Art der Kommunikation zwischen allen Lebewesen geben muss, angefangen von Bakterien bis zu Zellverbänden größerer Organismen. Diese Kommunikationsform bzw. Reaktion ist, wie der Name sagt, „primär“ – verglichen mit allgemein bekannten Formen der Wahrnehmung wie dem Sehvermögen oder dem Berührungsempfinden.

Backster, ein genialer, enthusiastischer und netter Herr von 85 Jahren, der früher als Spezialist für Lügendetektoren bei der CIA arbeitete, ist entsprechend auf diesem Gebiet stark in die Forschung involviert und genießt in diesen Kreisen hohes Ansehen. Ende der 1950er-Jahre entwickelte er zum Beispiel den Backster-Zonen-Vergleichstest, jene Technik, die noch heute bei Militär und Regierungsbehörden für das Lesen von Polygraphen zum Einsatz kommt. Auch leitete er in den letzten 30 Jahren eine eigene Schule in San Diego, Kalifornien.

Backster veröffentlichte seine Arbeiten 1973 in dem Buch „The Secret Live of Plants“ (Das geheime Leben der Pflanzen), obwohl er seine Entdeckungen bereits 1968 gemacht hatte. Nach der Veröffentlichung, war Backster viel in den Medien zu sehen und trat in verschiedenen Talkshows mit seinen Experimenten auf. Er hielt außerdem eine lange Zeit Vorträge auf diversen Konferenzen. Angeregt durch seine Forschung begannen viele zu Hause mit ihren grünen Freunden zu sprechen und die Bezeichnung „Hauspflanze“ wurde ins Leben gerufen.

Über Pflanzen hinaus

„Das Faszinierende ist“, erzählt Cleve Backster, „damals haben wir zwar mit Pflanzen begonnen, heute aber interessieren uns eigentlich hauptsächlich die menschlichen Zellen. Wenn wir eine menschliche Zelle in ein Reagenzglas geben gibt es Reaktionen auf die Erlebnisse des Spenders. Das heisst, dass die Zelle auf den Spender einstellt ist. Das begeistert mich völlig; meiner Ansicht nach lässt das alle möglichen Schlussfolgerungen zu.“

Tatsächlich hat Backster herausgefunden, dass unsere Zellen auf unsere Gefühle sogar in einer Entfernung von über 100 Meilen reagieren. Wenn sich beim Spender emotional etwas ändert, gibt es in den Zellen eine damit verbundene Reaktion, die sich durch elektrische Impulse zeigt.

„Pflanzen waren für mich nur ein Stolperstein, der es mir ermöglichte, auf dieses allgemein existierende Phänomen aufmerksam zu werden; danach bin ich jeder Idee gefolgt, von der ich erhoffen konnte, sie würde mittels „primären Wahrnehmung“ eine Reaktion bei den Pflanzen hervorrufen, ob es nun Bakterien im Joghurt waren, Eier oder was auch immer.“

Backster fand heraus, dass beim Aufschlagen eines Eies oder wenn man dieses in heißes Wasser fallen lässt, bei Pflanzen Reaktionen hervorgerufen werden, so als ob sie für die Leiden in der Nähe befindlicher Organismen empfindsam wären. Obwohl man nicht annimmt, dass Eier Leben haben, scheint es, dass sie gewisse biologische Aktivitäten zeigen.

Interessanterweise fand er heraus, dass die Pflanzen sogar reagierten, wenn die Toilette nebenan benutzt wurde, und zwar in dem Moment, in dem das Desinfektionsmittel im Urinal mit dem Urin in Kontakt kam.

„Ich sagte mir, wenn auf diese Weise eine Reaktion hervorgerufen werden kann, dann müsste es doch auch selbst reagieren; mal sehen wie ich das angeschlossen bekomme testen kann“, erzählte er laut lachend. „Das war es also, was mich voran gebracht hat.“

Backster weitete anfangs seine Experimente zunächst auf Bakterien aus und fand ähnliche Reaktionen wie bei den Pflanzen. Außerdem führte er Messungen der elektrischen Aktivität von Hühnereiern durch. Dabei fand er heraus, dass sie ebenfalls auf die Umgebung reagieren. Schließlich war er bei menschlichen Zellen angelangt, wie zum Beispiel den weißen Blutkörperchen.

2003 veröffentlichte Cleve Backster das Buch „Primary Perception: Biocommunication with Plants, Living Foods, and Human Cells“ (Primäre Wahrnehmung: Bio-Kommunikation mit Pflanzen, lebendigen Nahrungsmitteln und menschlichen Zellen). Es war die erste umfassende Darstellung seiner Arbeit, die er selbst verfasste. Darin führt er alle Experimente detailliert aus, angefangen bei Pflanzen, Bakterien, Eiern über tierische Zellen wie Blut im Beefsteak bis hin zu menschlichen Zellen.

Kühle Ablehnung

Backster erlebte seitens der wissenschaftlichen Welt jahrzehntelang Ablehnung, obwohl er seine Beweise auf vielen Konferenzen präsentiert hatte und viele Wissenschaftler weltweit seine Versuche erfolgreich nachgestellt hatten. Sein Forscherdrang hat jedoch nicht darunter gelitten – er ist ein Mann, der überzeugt ist, etwas Besonderes herausgefunden zu haben und lässt nicht zu, dass ihn die hinlänglich bekannte Unfähigkeit der Menschen, neue Ideen zu akzeptieren, bedrückt. „Es gibt hier so viele interessante Schlussfolgerungen; auf gewisse Weise überrascht es mich, dass die Wissenschaftler nicht Feuer und Flamme sind“, sagte er lachend.

„Alles worüber ich in meinem Buch berichte, ist die Wahrheit“, sagte er. „Ich war darauf bedacht, dass alles in diesem Buch auf Fakten beruht. Ich wollte nicht, dass jemand eine einzige technische Unkorrektheit fand und sagen konnte, der Rest meiner Arbeit sei auch nicht richtig.“

Genauso hielt er es, wenn er erklären sollte, warum das  Phänomen der „primären Wahrnehmung“ existiert. Dabei erging er sich nicht in Theorien, die sich als unkorrekt herausstellen könnten. Er hoffte, Szenarien aus dem Weg zu gehen, bei denen die Zuhörer seine gesammelten Daten zusammen mit seinen Spekulationen verwerfen könnten.

Erklärungsansätze aus physikalischer Sicht

Obwohl Backster sich in seinen Veröffentlichungen nicht in Spekulationen erging, um die „primäre Wahrnehmung“ zu erklären, scheint ein vielversprechender Ansatz zum Verständnis dieses Phänomens im Rahmen existierender Theorien zu bestehen, Dieser Ansatz hat mit einer Erscheinung aus der Quantenphysik – bekannt als Nichtlokalität – zu tun.

Nichtlokalität ist etwas, das von der Quantenphysik vorhergesagt und von Einstein als „spukhafte Fernwirkung“ bezeichnet wurde – nämlich die Idee, dass Partikel trotz großer räumlicher Distanz miteinander in Verbindung stehen.

Durch Experimente konnte folgendes gezeigt werden: wenn von einem angeregten Atom ein Paar Photonen emittiert wird und man die Polarität des einen Photons mit einem Filter ändert, dann ändert sich auch die Polarität des anderen Photons. Die Änderung der Polarität des zweiten Photons geht schneller, als es durch die Übertragung der dazu nötigen Informationen mit Lichtgeschwindigkeit möglich wäre.

Wenn Photonen solch eine Beziehung miteinander haben, so nennt man sie verschränkt. Man mag sich fragen, welche Reichweite das Phänomen der Nichtlokalität hat. Und gilt dies nur für kleine Partikel oder könnten eventuell auch größere Systeme mit einander verschränkt sein? Und wenn Lebensformen miteinander verschränkt wären, wie wäre das?

Wenn Nichtlokalität auch auf die Bereiche von Leben und Geist übertragbar sein sollte, dann könnte die „primäre Wahrnehmung“  Möglichkeiten eines experimentellen Nachweises aufzeigen. Backsters Entdeckungen zeigen, dass die Übertragung der Signale weder durch große Distanz noch durch dazwischen liegende Materialien blockiert werden kann.

Wahrnehmung

Obwohl es in den 1970er-Jahren ein großes öffentliches Interesse an Backsters Arbeiten gab, konnte sich die wissenschaftliche Welt bis heute noch nicht mit seinen Ideen anfreunden. Einer der Gründe dafür war ein fehlgeschlagener Versuch einer anderen Forschergruppe, die Backsters Experimente zu wiederholen versuchte, was dann 1975 im bekannten Journal Science veröffentlicht wurde.

Laut Backsters Buch scheinen aber diese Wissenschaftler (und andere, die bei einer Nachstellung seiner Versuche gescheitert waren) nicht alle Vorschriften zur Durchführung befolgt zu haben.

Besonders eine Versuchsvorschrift, die Backster als wesentlich erachtet, muss eingehalten werden: man durfte sich während des Experiments nicht auf die Reaktion der Pflanze (oder das, was untersucht wurde) konzentrieren- da eine Beobachtung während des Versuchsablaufs die auftretenden Reaktionen stören würde.

Es ist ziemlich nachlässig, bei einem so ungewöhnlichen Phänomen wie der „primären Wahrnehmung“ nicht alle Versuchsvorschriften zu beachten, die der ursprüngliche Entdecker fordert, um den gewünschten Effekt zu erzielen.

Die Möglichkeit jedoch, dass die Beobachtung des Experiments das Experiment selbst beeinflusst, macht innerhalb der modernen Paradigmen der Wissenschaft keinen Sinn. Deshalb dachten diejenigen, die Backsters Versuche wiederholten wahrscheinlich, dass solche Versuchsanweisungen keinen Unterschied machen würden.

Es wird gesagt, dass Botaniker teilweise dazu neigen, ziemlich konservativ zu sein. Einige prominente Wissenschaftler lehnen derzeit die Möglichkeit ab, dass Pflanzen irgendwelche elektrischen Aktivitäten zeigen; noch weniger akzeptieren sie bestimmte Fähigkeiten zur Wahrnehmung.

„Wenn man mit diesen Skeptikern spricht, geht es wirklich ans Eingemachte; es zeigt sich, ob sie wahre Wissenschaftler sind und dieses Phänomen ergründen möchten oder ob sie nichts damit zu tun haben wollen“, sagt Backster.

Foto: zur Verfügung gestellt von Cleve Backster

 



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