Ein Zauberbild der Natur von Yadegar Asisi in Leipzig

Titelbild
Foto: Stefan Hoyer © Asisi
Von 15. Februar 2010

Den brasilianischen Regenwald in Leipzig zu erleben, ist ein Ereignis „der besonderen Art“ – zumal im außergewöhnlich langen Winter dieses Jahres. Man könne das Szenario des brasilianischen Regenwaldes auf einem riesigen Panoramabild nicht nur sehen, sondern erleben, schwärmen Besucher.

Neugierig auf dieses „Zauberbild der Natur“, besuchte ich das Asisi-Panometer in Leipzig, etabliert in einem ausgedienten Gasometer, dessen Außenansicht in der Richard-Lehmann-Straße 114 keine besonderen Erwartungen weckt.

Zuerst öffnete sich eine Tür zur wissenschaftlichen Begleitausstellung mit ihren Einblicken in den unermesslichen Artenreichtum der Tier- und Pflanzenwelt des Amazonas. Viele Fragen zur Erforschung des Amazonasgebietes und des Verhaltens großer und kleiner Lebewesen im Regenwald werden beantwortet.

Von einer sechs Meter hohen Plattform aus, hatte ich schließlich im Asisi-Panometer die beeindruckende Möglichkeit, das Panoramabild der Regenwald-Landschaft von 106 Metern Länge und 30 Metern Höhe zu sehen und zu erleben. Zuerst war meine Wahrnehmung auf die Wandlung der Flora und Fauna zu unterschiedlichen Tages- und Nachtzeiten durch die Veränderung des Lichtes gerichtet, dann auf die Sprache der tag- und nachtaktiven Tiere, den prasselnden Gewitterregen, der nach einem sonnenreichen Tag für die Natur die Reinheit brachte.

Es war ein wundervolles Gefühl, die Nacht im Regenwald auf sich wirken zu lassen und die Morgenröte zu sehen, die den nächsten Tag ankündigte. Einen Moment war auch die Erhabenheit in diesem magischen Illusionsraum zu spüren, in Brasilien zu sein und zum Regenwald zu gehören.

Dann sah ich, wie andere Besucher mit ihren Ferngläsern den Wald nach einzelnen Pflanzen und Tieren absuchten, die sich im Grün des Regenwaldes zu verstecken schienen. Bald gelang es ihnen, die Raupe auf dem Blatt, das Faultier in den Bäumen, den Papagei in den Zweigen der Baumkronen oder die Schmetterlinge am Ufer eines Flusses zu entdecken.

Yadegar Asisi. Der Künstler schuf das weltgrößte 360°-Panorama AMAZONIEN.Yadegar Asisi. Der Künstler schuf das weltgrößte 360°-Panorama AMAZONIEN.Foto: © Asisi

Yadegar Asisi, der Schöpfer des Panoramabildes, stand uns für ein Gespräch zur Verfügung.

Epoch Times: Herr Professor Asisi, Sie werden Architekt der Illusionen genannt und sind der Vater der größten Panoramabilder der Welt, die sich in den ehemaligen Gasometern Leipzigs und Dresdens befinden. Wie entstand diese spektakuläre Idee?

Yadegar Asisi: Hunger kommt beim Essen und Ideen kommen beim Arbeiten. Es ist bei mir nicht so, dass ich früh aufwache und plötzlich ist die Idee geboren. Nein, Ideen mit konkreten Themen zu verbinden und sie umzusetzen, ist ein arbeitsreicher Prozess mit Höhen und Tiefen und die Panorama-Bild-Ideen sind das Ergebnis einer langjährigen Entwicklung.

Der Panoramagedanke, so glaube ich heute, war schon immer in meinem Herzen. Als Kind habe ich in Rom eine biblische Szene auf einem Bild mit einem Torbogen aus der Froschperspektive gesehen. Da wurde meine Neugier geweckt, zu erfahren, wie ich in ein zweidimensionales Bild von oben hineinschauen kann. Mit etwa zwölf Jahren ließ ich mir deshalb die Perspektive von einem Freund erklären.

Das Architekturstudium an der Technischen Universität in Dresden ergab sich aus meinem Wissensdrang wie von selbst. Die 1993 von mir für die Bundeskunsthalle Bonn entwickelte Ausstellungsarchitektur zum Thema „Sehsucht“, war ein Projekt, in dem es um das Massenmedium Panorama des 19. Jahrhunderts als Vorläufer des Kinos ging. Schon bei diesem Vorhaben konnte ich feststellen, dass der magische Illusionsraum Panorama mit seinen nacherlebbaren Themen auch die Menschen unserer Zeit begeisterte.

Immer auf der Suche nach Themen, ergaben sich im Anschluss an diese Ausstellung kleinere Aufträge im Panoramabereich. Außerdem gelang es mir, 1995 mitten in Berlin fünf Panoramen aufzustellen, die die Planung zur Citybebauung bis 2005 zeigten. Der durch die Panoramen erzeugte Illusionsraum ermöglichte es den Betrachtern herauszufinden, ob die vorgestellte Bauweise den Ansprüchen der Zeit aus ihrer Sicht gerecht werden kann und welche Veränderungs- bzw. Mitbestimmungsgedanken sie dabei bewegten.

Seine Aquarellskizze zu AMAZONIEN komplettiert Yadegar Asisi während seiner letzten Recherchereise in Brasilien.Seine Aquarellskizze zu AMAZONIEN komplettiert Yadegar Asisi während seiner letzten Recherchereise in Brasilien.Foto: © Asisi

Erfahrungen mit der künstlerischen Gestaltung, in der sich Malerei, Kunst, Fotografie und Architektur ergänzten, hatte ich hinreichend sammeln können. Als die Welt 2003 damit begann, das Gedenken an den 50. Jahrestag der Erstbesteigung des Mount Everest vorzubereiten, war die Idee, den Berg in seiner Schönheit und Gewaltigkeit auf ein Panoramabild in unserem Land zu bannen, schon bei mir gewachsen. Die schwierigste Frage, die sich allerdings ergab, war, wie kann ich als Künstler unternehmerisch denken lernen, ohne dass mein Herz und die künstlerische Idee verletzt werden. Die Freude des Zieles vor den Augen, habe ich mit einem Riesenteam gemeinsam alle Klippen nehmen können und das Panoramaprojekt im Gasometer Leipzig “-8848-Everest-360°“ konnte von 2003 – 2005 gezeigt werden.

Dem folgte von 2005 – 2009 ein Panoramaprojekt zu „Rom 312“. Es zeigte den Einzug des Kaisers Constantin in die Stadt und die Verbindung der weltgeschichtlichen Wende vom klassischen Olymp zum Christentum als Staatsreligion.

Dazu gesellte sich 2006 der Gasometer in Dresden, der ebenfalls zum Panometer umgebaut wurde und ein Panoramabild der Elbestadt in der Barockzeit um 1756 noch heute zeigt.

Das Panoramaprojekt „Amazonien-Yadegar Asisis Zauberbild der Natur“ ist seit März 2009 im Asisi Panometer Leipzig zu sehen. Ich bin voller Demut, dass die Dinge so zusammen passten und ein Riesenteam die künstlerische Idee der Panoramaprojekte mit mir umsetzte.

EpochTimes: Wie lautet die Botschaft an die Menschen, die „Amazonien-Yadegar Asisis Zauberbild der Natur“ besuchen?

Asisi: Meine Panoramaprojekte sind bildgewaltige Themen, die mich selbst ganz stark berühren und die Berührtheit möchte ich gern durch dieses Medium bei anderen Menschen wecken.

Die Botschaft an die Menschen ist deshalb, lernt die Natur, die Schönheit des Regenwaldes, seine Vielfalt und seinen Reichtum kennen. Seht genau hin und entdeckt die Großartigkeit in allen ihren Nuancen. Das faszinierende Ökosystem Regenwald enthüllt seine einzelnen Facetten nur für den, der ganz genau hinschaut. Es ist das Verstehen der Welt auf eine sinnliche Art und Weise.

Vor allem nehmt euch Zeit dafür!

Als Künstler kann ich immer wieder erinnern, dass der Regenwald mit all seinem Leben etwas für das Auge, aber zugleich auch etwas für das Herz und den Verstand ist. Panoramen sollen die Lust am bewussten, genauen Hinschauen fördern. Ich lade Erwachsene und Kinder ein, über das, was sie sehen, zu staunen und eigene Entdeckungen zu machen und damit ihre Sehkultur zu entwickeln.

Mein Appell ist, nicht nur die Augen auf zu machen sondern über die Schönheit auch zu reden, jeden Tag, immer wieder neu. Ich will die Nachhaltzeit, dass die Besucher die Eindrücke aus dem Panometer mitnehmen und ein großes warmes Gefühl für die Natur entwickeln, die auf diesem Planeten gemeinsam mit uns lebt.

Ich wünsche mir, dass „Amazonien“ die Kraft hat, dass viele Menschen zum Regenwald eine tiefe emotionale Bindung aufbauen. Denn nur wenn man etwas sehr gern hat, ist man bereit, sich wahrhaftig dafür einzusetzen.

Ein ehemaliges Gasometer in Leipzig — der ideale Ort für das monumentale Asisi Panometer.Ein ehemaliges Gasometer in Leipzig — der ideale Ort für das monumentale Asisi Panometer.Foto: Thomas Schulze © Asisi

EpochTimes: Das 360° Panorama Amazonien sehen Sie vor allem in Verbindung mit dem Naturforscher und Landschaftsmaler Alexander von Humboldt. Was verbindet Sie mit ihm?

Asisi: Der Direktor des Botanischen Gartens in Leipzig, Prof. Wilfried Morawetz, öffnete mir die Augen auf einer gemeinsamen Reise nach Brasilien. Einerseits tat er das für das komplexe Ökosystem Regenwald und andererseits für den faszinierenden Zeichner und Naturforscher Alexander von Humboldt, der 200 Jahre vorher den Regenwald besuchte.

An Humboldt faszinieren mich die leidenschaftliche Neugier und die Unermüdlichkeit, die Natur in allen ihren Facetten zu erkunden, zu vergleichen und zu beschreiben. Er hatte nur sein Auge, seinen Stift, seinen Geist als er sich in die Wildnis hinein begab.

Kein Grashalm war ihm zu unbedeutend und kein Baum zu hoch. Er zeichnete und schrieb ständig, vermaß, verglich und vertraute dabei in bewunderungswürdiger Weise seinen eigenen Wahrnehmungen und Empfindungen. Die Vielschichtigkeit der Natur mit ihren ineinandergreifenden Mechanismen fesselte den Naturforscher Humboldt. Zeit seines Lebens wollte er die Natur in ihrer Gesamtheit darstellen. Die Landschaftsmalerei war für den leidenschaftlichen Zeichner wichtig, um eine Vorstellung vom komplexen Wesen der Natur zu bekommen.

Er kritisierte, dass es zu wenige Rundbilder gäbe, in der die Natur in wilder Üppigkeit und Lebensfülle prangt. Ich habe es mir vorgenommen, so wie er zu arbeiten und bin ebenfalls in den Wald gegangen, um zu zeichnen, zu fotografieren und hatte ein Konzept. Mit der Zeit wurde mir immer bewusster, wie ich die phantastische Natur auf ein Panoramabild bannen kann.

Ich glaube, dass sich Alexander von Humboldt über das Panorama „Amazonien-Yadegar Asisis Zauberbild der Natur“ sehr gefreut hätte.

EpochTimes: Sie haben Studienreisen in den Regenwald Brasiliens unternommen. Welche Bedeutung hatten diese Reisen für die Umsetzung des Amazonien-Konzeptes?

25 Meter hoch ist dieser Tropenbaum. Der „König im Grünen“ zeigt sich in seiner imposanten Pracht.25 Meter hoch ist dieser Tropenbaum. Der „König im Grünen“ zeigt sich in seiner imposanten Pracht.Foto: Stefan Hoyer © Asisi

Asisi: Die erste Reise habe ich mit dem großartigen Botaniker und Künstler Wilfried Morawetz in die Gegend von Rio unternommen. Sie diente meinem ersten Entdecken. Er hat damals zu mir gesagt: „Wenn du in den Regenwald hineingehst, sei nicht enttäuscht, du siehst erst einmal nichts.“ Es stimmte, da war nur Grün. Das Phänomen ist jedoch, je länger man an ein und derselben Stelle schaut, umso mehr kann man erblicken. Die Welt geht auf, immer mehr auf.

Es gab viele Zustände über den Tag über die Zeit, die mir fremd waren. So das Wasser, das hoch stieg und sofort wieder herunter prasselte. Ich war dort gern im Regen. Nässe und Hitze waren kaum zu spüren. Es war ein toller Zustand. Mir wurde bewusst, dass Himmel und Erde zusammen gehören.

Mit den gesammelten ersten Erfahrungen habe ich als Künstler darüber nachgedacht, eine Strategie zu entwickeln, die mir dabei half, das Riesenareal Regenwald in einem Bild darzustellen. Glauben Sie mir, es gab Momente, in denen ich gesagt habe, ich schaffe das nicht. Wie soll ich Höhe zeigen? Wie Weite? Wie Dichte des Waldes? Wie die Nässe…?

Da kam mir meine architektonische Ausbildung zu Hilfe. Ich erfand eine Landschaft und versuchte in ihr einen räumlichen Idealpunkt zu kreieren, der möglichst viele Facetten des Regenwaldes in sich vereinigte ohne künstlich zu wirken.

Danach entstanden die ersten Zeichnungen von mir, die nur ich verstand. Mit dieser Landschaftsidee auf dem Papier unternahm ich die nächste Studienreise in den Regenwald.

Mit etwa 25 000 Fotografien und unzähligen Skizzen im Gepäck kam ich zurück. In der Zusammenarbeit mit den Kuratoren erfolgte die Positionierung der einzelnen Bildelemente, die schrittweise das große Panoramabild ergaben.

Während des Entstehungsprozesses bin ich Maler am Computer, verändere zum Beispiel Farben und bin ständig dabei das Bild so zusammenzubauen, dass es realistisch wirkt. Aber gleichzeitig male ich während des Schaffensprozesses auch gern zwei bis drei Meter große Skizzen, um Zusammenhänge zu begreifen, damit das Endergebnis komplexer und schöner wird.

Rundum staunen! Auf der 6 Meter hohen Plattform ist der Betrachter vollständig von der exotischen Welt des Regenwaldes umgeben.Rundum staunen! Auf der 6 Meter hohen Plattform ist der Betrachter vollständig von der exotischen Welt des Regenwaldes umgeben.Foto: Stefan Hoyer © Asisi

Während der dritten Reise wurde verdichtet, die bereits entstandenen Bildelemente wurden ergänzt und vervollkommnet. Auf der letzten Studienreise war ich ganz klar. Ich wusste genau, was ich für das Panoramabild noch brauchte, um es fertig zu stellen.

EpochTimes: Nutzen Sie für die Förderung der Sehkultur auch den akademischen Ansatz?

Asisi: Natürlich, wenn wir die Vielschichtigkeit dessen was wir tun, erklären wollen, ist unter anderem eine Möglichkeit, den akademischen Ansatz dafür zu nutzen. Individuelles Sehen und Erkennen ist eine Urquelle des Lernens. Sie ist eine der Voraussetzungen für einen individuellen Umgang mit der Umwelt und eine Grundlage für die Entwicklung von Selbstbewusstsein in der Gesellschaft.

Im Leipziger und Dresdner Asisi-Panometer stehen für Familien, Schulklassen, Lehrer und Studenten die Pädagogen zur Verfügung.

Sie führen durch die Ausstellungen und haben u.a. viele interessante Fragen dabei, die speziell für die jeweiligen Zielgruppen ausgearbeitet wurden und deren Antworten einen hohen bildenden Wert haben.

Außerdem gibt es seit Dezember 2009 ein „Asisi-Atelier“ in Dresden. Jugendliche und Erwachsene erhalten das Angebot, viele Techniken rund um das perspektivische Sehen, Zeichnen und die illusionistische Malerei kennenzulernen und auszuprobieren.

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Fachlich geschulte Mitarbeiter zeigen, wie zum Beispiel Porträts mit Silhouettier- Vorrichtung entstehen oder was das Prinzip einer Anamorphose, das heißt eines Zerrbildes ist.

Diese Anamorphosen haben bei großen Panoramabildern eine wichtige Bedeutung, um dem Betrachter Teile des Bildes von der Position aus, von der er auf das Bild blickt, so natürlich wiederzugeben, wie sie ihm in der Natur erscheinen, so zum Beispiel die großen Wurzeln eines Urwaldriesen.

Für das Frühjahr 2010 habe ich auch Vorträge und Kurse in Leipzig geplant.

Zeichnen ist ein sehr schönes und spannendes Medium, um Dinge in ihrer Komplexität zu begreifen. Erst wer einen Gegenstand gezeichnet hat, hat ihn wirklich verstanden.

Epoch Times: Wir danken dem Künstler Yadegar Asisi für das Gespräch.

Das Gespräch führte Ingrid Wittig

Öffnungszeiten der Asisi Panometer in Leipzig und Dresden
Dienstag bis Freitag 9-19 Uhr
Samstag und Sonntag sowie an Feiertagen 10-20 Uhr
Montag geschlossen

Weitere Informationen: www.asisi.de/de

 

 

 

Foto: Stefan Hoyer © Asisi


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