Pest-Erreger in 5.000 Jahre alten Grab in Schweden gefunden

Schwarze Flecken, Beulen und überall lagen kranke oder tote Menschen: Im Mittelalter brachte die Pest Tod und Schrecken unter die Menschen. Jetzt haben Forscher den Pest-Erreger in einem 5.000 Jahre alten Grab in Schweden entdeckt.
Opfer der jungsteinzeitlichen Pest
Wurden die Schweden vor 5.000 Jahren Opfer der ersten massiven Pest-Pandemie?Foto: Mit freundlicher Genehmigung Karl-Göran Sjögren / Universität von Gothenburg
Von 9. Dezember 2019

In einem fast 5.000 Jahre alten Grab in Schweden haben Forscher den ältesten bekannten Stamm des Pest-Erregers Yersinia pestis entdeckt. Der Befund deutet darauf hin, dass der Erreger jungsteinzeitliche Siedlungen in ganz Europa verwüstet haben könnte. War es die erste große Pandemie der Menschheitsgeschichte und müssen die europäischen Geschichtsbücher neu geschrieben werden?

In einer Studie der Onlinezeitschrift „Cell“ erläutern die Wissenschaftler um Nicolás Rascovan ihre Entdeckung und die möglichen Auswirkungen.

Die Untersuchung alter DNA führte zur Entdeckung

Das Ergebnis kam zustande, als die Forscher öffentlich zugängliche Datenbanken mit alter DNA von prähistorischen Infektionsopfern analysierten. Sie konzentrierten sich dabei auf die zuvor ausgegrabene Fundstätte Frälsegården in Schweden.

Frühere Analysen eines Kalksteingrabes von der Fundstelle ergaben, dass dort schätzungsweise 78 Menschen begraben waren. Sie alle starben innerhalb von 200 Jahren.

„Die Tatsache, dass viele Menschen in relativ kurzer Zeit an einem Ort starben, deutete darauf hin, dass sie möglicherweise gemeinsam bei einer Epidemie ums Leben kamen“, sagte Nicolás Rascovan, Biologe an der Universität Aix-Marseille in Marseille, Frankreich gegenüber „Live Science“.

Opfer der Pest

In einem Grab in Schweden haben Archäologen die Opfer der Pest aus dem Ende der Steinzeit gefunden. Foto: Mit freundlicher Genehmigung Karl-Göran Sjögren / Universität von Gothenburg

Eine 20-jährige Frau starb an dem Pest-Erreger

Die Forscher entdeckten den bisher unbekannten Peststamm in den Überresten einer Frau aus Frälsegården. Radiokarbondatierungen ergaben, dass die Frau vor etwa 4.900 Jahren starb. Basierend auf ihren Hüftknochen und anderen Skelettmerkmalen schätzten sie, dass die Frau etwa 20 Jahre alt war, als sie starb.

Durch den Vergleich des neu entdeckten Stammes mit bekannter Pest DNA stellten die Wissenschaftler fest, dass die alte Probe der nächstgelegene bekannte Verwandte des jüngsten Vorfahren des Pestbakteriums war. Die Forscher der Studien vermuten, dass sich die neu entdeckte Probe vor etwa 5.700 Jahren vom heute bekannten Peststamm abspaltete.

Diese Pest stammt vermutlich nicht von Steppenvölkern

Zudem widersprechen die neuen Erkenntnisse laut den Forschern einer älteren Theorie über die Ausbreitung der Pest. Frühere Forschungen hatten ergeben, dass Steppenvölker durch Migrationsbewegungen die Pest mitbrachten und bereits bestehende Siedlungen bei ihrer Ankunft auslöschten.

Doch die neue Entdeckung beweist in den Augen der Forscher genau das Gegenteil. So soll sich der neu entdeckte Peststamm bereits entwickelt haben, bevor die großen Steppenwanderungen begannen.

Eine Theorie ist der Entstehungsort der Pest in sogenannten Megasiedlungen von 10.000 bis 20.000 Einwohnern. Diese existierten vor 6.100 bis 5.400 Jahren im Gebiet des heutigen Moldawien, Rumänien und der Ukraine. Die Megasiedlungen, die bis zu zehnmal größer als die früheren europäischen Siedlungen waren, brachten Menschen, Tiere und Lebensmittel dicht beieinander unter. Zudem könnte eine sehr schlechte Hygiene diese Siedlungen zur Brutstätte der Pest gemacht haben.

„Das ist das Lehrbuchbeispiel dafür, was man braucht, um neue Krankheitserreger zu entwickeln“, sagte Simon Rasmussen, ein Computerbiologe an der Universität Kopenhagen, in einer Erklärung.

Karte zur Ausbreitung der jungsteinzeitlichen Pest

Die Pest entstand vermutlich in Megasiedlungen im heutigen Osteuropa. Foto: Mit freundlicher Genehmigung Karl-Göran Sjögren / Universität von Gothenburg

Verlassen und Zerstörung der Megasiedlungen

Wenn sich in diesen Megasiedlungen die Pest entwickelt hat, „und die Menschen anfingen, daran zu sterben, wären die Siedlungen verlassen und zerstört worden. Das ist genau das, was in diesen Siedlungen nach 5.500 Jahren beobachtet wurde“, erklärte Rasmussen weiterhin.

Die Pest hätte sich dann über die Handelsnetze ausbreiten können, die durch den Wagenverkehr ermöglicht wurde. „Diese Art von Transport nahm zu dem Zeitpunkt in ganz Europa rasant zu“, sagte Rascovan.

Schließlich hätte es sich auch an relativ entfernten Orten wie Frälsegården in Schweden durchgesetzt, wo die von den Forschern untersuchte Frau starb. Die DNA des Pest-Opfers enthüllte, dass sie nicht genetisch mit dem Steppenvolk verwandt war. Dies war ein weiterer Grund, der die neue Theorie unterstützte.

Innovation Rad und Wagen ermöglichte die Ausbreitung der Krankheit

Karl-Göran Sjögren, Co-Autor der Studie und Archäologe an der Universität Göteborg in Schweden, erklärte, dass die Entdeckung der Pest in einem relativ kleinen Gebiet der neolithischen Welt auf gut etablierte und weitreichende Kontakte zu dieser Zeit hindeutet. Diese gute Vernetzung durch Rad und Wagen ermöglichte die Verbreitung der Krankheit.

Tatsächlich ist es möglich, dass „die revolutionären Innovationen jener Zeit – größere Siedlungen mit komplexerer Organisation, Radtransport, Metallurgie, Handelsnetze über große Entfernungen hinweg usw.“ – die Voraussetzungen für „das Entstehen und die Ausbreitung von Infektionskrankheiten geschaffen haben“ so Rascovan. Aus diesem Grund gehen die Forscher von der ersten massiven Pandemie der Menschheitsgeschichte aus.

Begünstigte die Erfindung des Wagens die Ausbreitung der Pest?

Traditioneller Holzwagen. Foto: iStock

Trug die Pest zum „Verfall der neolithischen Populationen in Europa“ bei?

Die Forscher sind sich sicher, dass die Pandemie einer von vielen Gründen für den Verfall der neolithischen Populationen in Europa gewesen ist. „Zum Beispiel haben die neolithischen Siedlungen ihre Umwelt übermäßig ausgebeutet und möglicherweise Wälder, von denen sie abhängig waren, ausgelöscht“, sagten die Forscher.

Weiterhin warnten die Forscher davor, dass sie den entscheidenden Beweis für ihre neue Theorie noch nicht gefunden haben und lediglich den Grundstein für eine neue Sichtweise legten. Man benötige noch den Nachweis der Pest in den Überresten einer der beschriebenen Megasiedlungen.

„Wenn wir in diesen Siedlungen die Pest finden könnten, wäre das eine starke Unterstützung für diese Theorie“, sagte Rasmussen abschließend.



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