20 Jahre „Westgeld“

Von 15. Juli 2010

Am 1. Juli vor genau 20 Jahren war Stichtag für 16,7 Millionen DDR-Bürger. Die Ost-Mark hatte ausgedient, nun hieß es den Geldbeutel, oder wie der Ostdeutsche sagt: das Portemonnaie, endlich mit „harter“ Währung füllen. Doch nicht nur das Geld vereinheitlichte sich an diesem Tag, mit der Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion übernimmt die DDR große Teile der Wirtschafts- und Rechtsordnung der Bundesrepublik. Die D-Mark wurde auch im Osten alleiniges Zahlungsmittel, Löhne, Gehälter, Renten, Mieten und andere regelmäßige Zahlungen wurden vorerst 1:1 umgestellt. Bei Bargeld und Bankguthaben war die Regelung nicht gar so einfach: Kinder unter 14 Jahren durften bis zu 2.000 DDR-Mark im Verhältnis 1:1 umtauschen, 15 bis 59-Jährige bis zu 4.000 DDR-Mark, wer älter war, 6.000 DDR-Mark. Wer mehr gespart hatte, konnte dies im Verhältnis 2:1 umstellen lassen.

„ Kommt die D-Mark bleiben wir, kommt sie nicht, geh’n wir zu ihr!“

Vorausgegangene Demonstrationen mit Spruchbändern wie: „ Kommt die D-Mark bleiben wir, kommt sie nicht, geh’n wir zu ihr!“ , gaben den Finanzministern beider Seiten Anlass, am 18. Mai einen Vertrag über die Schaffung einer Währungs- Wirtschafts- und Sozialunion, den sogenannten Staatsvertrag zu unterzeichnen. Peter Wehner aus dem Erzgebirge erinnert sich: „Die Leute wurden unruhig, denn sie wussten nicht, was mir ihrem Geld geschehen wird. Aus Angst, dass alles verfällt, tauschten viele im Vorfeld schwarz 1:10 oder kauften Westwaren mit Ostgeld im Verhältnis 1:4. Ein Bekannter kaufte einen gebrauchten VW Golf für 40.000 Ost-Mark, in D-Mark hatte er 10.000 gekostet.“

Die neue Währung wurde im Osten schon in der Nacht mit Hupkonzerten, Autokorsos und Feuerwerk begrüßt, in den Großstädten gab es vor den Banken bereits morgens lange Schlangen. Doch trotz des lang ersehnten Ereignisses für viele DDR-Bürger, gab es keine Zwischenfälle und alles lief ruhig und harmonisch ab. Wer sein Geld umgetauscht hatte, bekam einen Vermerk in den Personalausweis. „Und dann sind sie alle in den Urlaub gefahren“, berichtet Peter Wehner weiter. „Jetzt konnte man mit seinem Geld endlich was anfangen, vor allem war es auch im Ausland was wert.“

DDR-Finanzminister Walter Romberg berichtet, am ersten Tag seien vier Milliarden D-Mark ausgegeben wurden. Die Aktionen seien insgesamt reibungslos verlaufen, doch „vereinzelt musste Geld nachgeliefert werden.“



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