„Neuer Wachstumsmotor“: China plant Massenproduktion menschenähnlicher Roboter

China will innerhalb von zwei Jahren humanoide Roboter in Massenproduktion herstellen – ein ehrgeiziger Plan, der Peking zum Marktführer in diesem Bereich machen soll.
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China steckt Milliarden in die Entwicklung humanoider Roboter. Symbolbild.Foto: iLexx/iStock
Von 10. November 2023

China will einen Innovationsrahmen zur Herstellung humanoider Roboter schaffen. Wesentliche Herstellungstechnologien sollen im eigenen Land entwickelt und aufgebaut werden. In einem ersten Schritt versandte das chinesische Ministerium für Industrie und Informationstechnologie entsprechende Richtlinien an alle lokalen Behörden.

Die geplanten Produkte sollen fortgeschrittenen internationalen Qualitätsstandards entsprechen. Geplante Einsatzbereiche seien raue Umgebungen in der Fertigung und im Dienstleistungssektor. Humanoide Roboter hätten wie Smartphones, Computer und neue Energiefahrzeuge das „bahnbrechende“ Potenzial, das Leben der Menschen zu „revolutionieren“, heißt es in dem Dokument.

Das Ministerium forderte die Mitarbeiter auf, Chinas Marktgröße und sein „nationales Gesamtsystem“ zu nutzen, um die Entwicklung humanoider Roboter als Grundpfeiler der chinesischen Industrie zu beschleunigen und Chinas Vormachtstellung in der digitalen Welt auszubauen.

Peking hofft, bis 2025 über zwei bis drei Unternehmen mit weltweitem Einfluss zu verfügen. Es plant, weitere kleinere Unternehmen zu fördern, die sich diesem Bereich widmen. In weiteren zwei Jahren soll eine „sichere und zuverlässige Lieferkette“ für die Technologie geschaffen und das Land weltweit wettbewerbsfähig gemacht werden. Dann würden diese Produkte tief in die Wirtschaft integriert sein und zu einem „neuen Motor“ für das Wirtschaftswachstum werden, so das Ministerium.

Das „Gehirn“, das „Kleinhirn“ und die „Gliedmaßen“ der Roboter sollen im Mittelpunkt stehen. Die Industrie solle darauf abzielen, „hochzuverlässige“ Roboter für raue oder gefährliche Bedingungen zu schaffen, heißt es in der Leitlinie. Bei der Überwachung und Sicherung „strategischer Standorte“ müssten Roboter in der Lage sein, sich in „hochkompliziertem Gelände“ zu bewegen, die Situation einzuschätzen und intelligente Entscheidungen zu treffen, heißt es weiter.

Unabhängig und vernetzt

Zudem müssten die zuständigen Behörden die internationale Zusammenarbeit vertiefen, ausländische Unternehmen zur Einrichtung von Forschungszentren in China ermutigen und chinesische Produkte auf den internationalen Markt bringen.

Peking wolle sich „intensiv an den internationalen Regeln und der Festlegung [globaler] Standards [für neue Technologien] beteiligen“ und „chinesische Weisheit“ in die Entwicklung der Branche einbringen, heißt es in dem Dokument.

Die Richtlinie ist der jüngste Versuch Chinas, seine technologische Eigenständigkeit zu stärken, da die Vereinigten Staaten Chinas Zugang zu fortschrittlichen US-Chips zunehmend beschneiden. Kürzlich verschärften die USA ihre Chipkontrollen vom Oktober letzten Jahres. Entsprechend verlangte das Büro für Industrie und Sicherheit des US-Handelsministeriums Mitte Oktober von mehr US-Firmen eine Lizenz, bevor sie fortschrittliche Halbleiterchips nach China exportieren durften. Mit der Verschärfung wollen die USA verhindern, dass Peking diese Chips für militärische Zwecke verwendet. Am 23. Oktober forderte die US-Regierung NVIDIA auf, die meisten seiner Schlüsselchips für Künstliche Intelligenz nicht mehr nach China zu liefern.

Ohne diese Maßnahmen der Vereinigten Staaten zu nennen, wurde die Industrie in dem Dokument aufgefordert, KI-Chips für humanoide Roboter zu entwickeln, die selbstlernend sind und andere Fähigkeiten besitzen.

Die Aktien chinesischer KI- und Robotikunternehmen stiegen am Tag nach der Ankündigung um bis zu 20 Prozent.

Im internationalen Wettbewerb

Pekings Fahrplan bedeutet, dass es mit internationalen Unternehmen wie Samsung, Microsoft und Tesla konkurrieren wird, die auch in diesen Bereich investieren.

Tesla-Chef Elon Musk hat versucht, einen humanoiden Roboter namens Optimus oder Tesla Bot zu bauen. Nach einem großen Hype im vergangenen Jahr blieb die Präsentation des Roboters, der langsam auf der Bühne lief und der Menge zuwinkte, jedoch hinter den Erwartungen zurück.

In den chinesischen Medien scheint man der Technologie optimistisch gegenüberzustehen.

Lu Hanchen, Direktor des Gaogong Industry Research Institute, erklärte gegenüber der staatlichen „Securities Times“, dass China zwar noch weit davon entfernt sei, humanoide Roboter in großem Maßstab zu produzieren, dieses Ziel aber auch nicht mehr weit entfernt sei.

Über zehn chinesische Unternehmen hätten in diesem Jahr Innovationen im Zusammenhang mit humanoiden Robotern vorgestellt, sagte er und fügte hinzu, dass China bereits über einige unterstützende Einrichtungen zur Entwicklung von Industrierobotern verfügt.

Peking hat rund 10 Milliarden Yuan (etwa 1,3 Milliarden Euro) für die Finanzierung der Roboterentwicklung bereitgestellt. Am 6. November eröffnete China das erste Innovationszentrum für humanoide Roboter auf Provinzebene in der Hauptstadt des Landes, um an der Lösung dringender „gemeinsamer Schlüsselprobleme“ zu arbeiten, darunter ein Steuerungssystem, Open-Source-Software und Roboterprototypen.

Mindestens ein chinesisches Unternehmen, die Jiangsu Miracle Logistics System Engineering Co., hat versprochen, seinen ersten humanoiden Roboter bis Ende des Jahres vorzustellen. Das chinesische Wertpapiermaklerunternehmen Zheshang Securities schätzt, dass der Markt für humanoide Roboter bis 2030 einen Bedarf von 1,77 Millionen Maschinen haben wird.

Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel: „China Unveils Plan to Mass Produce Human-like Robots, Calling It ‘New Engine’ for Growth“ (deutsche Bearbeitung jw).



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