Rückgang von Verhaltensproblemen an Schulen durch Handyverbot

Einer der bekanntesten australischen Psychologen hat sich dafür ausgesprochen, die Benutzung von Mobiltelefonen in der Schule einzuschränken.
Rückgang von Verhaltensproblemen an Schulen durch Handyverbot
Foto: iStock
Von 4. September 2022

Michael Carr-Gregg, Jugend- und Kinderpsychologe und Autor von 14 Büchern, schrieb in einer E-Mail an die Epoch Times, dass Schüler und Klassen davon profitieren, wenn sie verpflichtet würden, „ihre Handys auszuschalten und sie von Schulbeginn bis zur Schlussglocke sicher in Schließfächern zu verstauen“. Er ist der Meinung, dass dies die Konzentration der Schüler wiederherstellen und eine bessere Atmosphäre im Klassenzimmer schaffen kann.

Eine Ausnahme könnte sein, wenn die Lehrer die Schüler anweisen, ihre Telefone für eine bestimmte Aktivität im Klassenzimmer mitzubringen. Eltern und Erziehungsberechtigte können ihr Kind im Notfall über die Schule erreichen, fügte er hinzu. „Zu allen anderen Zeiten sollten die Telefone in den Schließfächern sein“, sagte Carr-Gregg.

„Die Erfahrung der Schulen, die diesen Ansatz gewählt haben, zeigt, dass dadurch eine große Ablenkung aus den Klassenzimmern entfernt wird, sodass die Lehrer unterrichten und die Schüler in einer konzentrierteren, positiveren und stabileren Umgebung lernen können.“

Handyverbot mit positiven Einfluss

Der Vorschlag kommt, nachdem an einer australischen Highschool innerhalb von nur acht Wochen nach der Einführung eines strikten Handyverbots ein 90-prozentiger Rückgang von Verhaltensproblemen wie Mobbing zu verzeichnen war.

Seit Ende April hat die Davidson High School den Schülern eine Handytasche zur Verfügung gestellt, in der sie ihre Telefone tagsüber verstauen können. Schulleiter David Rule erklärte in der Schulzeitung, dass die Schüler „in den Pausen aktiver sind und viel Handball und Basketball spielen“. Er fügt hinzu: „In der Bibliothek beobachte ich Kartenspiele, Brettspiele und auch Gruppen von Schülern, die im Kreis sitzen und miteinander reden.“

Schulleiter Glen Sawle von der Wauchope Public School, der ersten Schule in Australien, die 2019 das Handyverbot getestet hat, stellte unterdessen fest, dass die Schüler tagsüber weniger durch soziale Medien abgelenkt werden.

Carr-Gregg erklärte gegenüber der Epoch Times, dass man mittlerweile wisse, dass die übermäßige Nutzung sozialer Medien sich negativ auf die psychische Gesundheit junger Menschen auswirke.

„Studien haben ergeben, dass die Nutzung sozialer Medien mehr als dreimal am Tag eine negative Auswirkung auf die psychische Gesundheit und das Wohlbefinden von Teenagern hat. Andere Studien haben auch Zusammenhänge zwischen einem hohen Maß an Social-Media-Nutzung und Depressionen oder Angstsymptomen festgestellt.

Handys verringern Leistungsfähigkeit

Klinische Experten haben auch davor gewarnt, dass Multitasking am Telefon, zwischen verschiedenen Geräten und zwischen Telefon und anderen Aufgaben unsere Denkfähigkeit beeinträchtigen kann.

Eine Stanford-Studie aus dem Jahr 2009 hat gezeigt, dass Personen, die viel Medienmultitasking betreiben, anfälliger für Störungen durch nicht-relevante Umweltreize sind. Dies führt dazu, dass sie bei einem Test der Fähigkeit zum Aufgabenwechsel schlechter abschneiden, was wahrscheinlich auf die verminderte Fähigkeit zurückzuführen ist, Störfaktoren herauszufiltern, fanden die Forscher heraus.

Der klinische Neuropsychologe Matthew Cruger vom Child Mind Institute sagte in einem Interview im Jahr 2021, dass „wenn man mehrere Technologiequellen zur Hand hat und jederzeit verfügbar ist, ist das vermutlich ein Garant für eine Verringerung der Leistung und Produktivität“.

„Kinder fangen eine Aufgabe an und versuchen, sie zu erledigen, aber sie nehmen sich nicht die Zeit, um herauszufinden, wie sie die Aufgabe am besten erledigen können“, fügte er hinzu und bemerkte, dass Menschen ohne eine disziplinierte Denk- und Lernroutine größere Schwierigkeiten haben, ihre Leistung zu verbessern.

Eine Studie aus dem Jahr 2021, die in der Zeitschrift Frontiers in Psychology veröffentlicht wurde, zeigt, dass ständige Unterbrechungen durch Telefone negative emotionale Reaktionen hervorrufen und somit das psychische Wohlbefinden der Nutzer beeinträchtigen.

Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel: „Banning Phones in School Helps Classroom Become ‘Focused, Positive’: Psychologist“ (deutsche Bearbeitung kr)

Dieser Artikel erschien zuerst in der Epoch Times Wochenzeitung, Ausgabe Nr. 60, vom 03. September 2022.



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