Vom „Arme-Leute-Essen“ zum traditionellen Klassiker: Sterz und Arme Ritter

Sie benötigen wenige und einfache Zutaten, sind schnell zubereitet und äußerst sättigend: Einige der vielen Gründe, weshalb sich einstige „Arme-Leute-Essen“ heute weltweiter Beliebtheit erfreuen.
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Wenige und einfache Zutaten, schnell zubereitet und äußerst sättigend: „Arme-Leute-Essen“ wie Sterz und Arme Ritter sind noch heute weltweit beliebt.Foto: kms/Epoch Times

Früher galten einfache Gerichte mit wenigen einfachen Zutaten als Verköstigung für Menschen niederen Standes, was ihnen den Namen „Arme-Leute-Essen“ einbrachte. Inzwischen entwickelten sich einige dieser Kreationen jedoch zu traditionellen Klassikern und wurden im Laufe der Zeit (je nach Region) verfeinert. Zwei dieser beliebten Gerichte mit langer Geschichte sind der Sterz und der Arme Ritter.

Sterz – Verpflegung für Holzfäller

Sterz ist ein einfaches Essen, das in seiner klassischen Variante aus Mehl, Wasser und Schmalz gemacht wird und als kleine „Bröckeln“ gegessen wird. Der Name dieses Gerichtes wird hauptsächlich in der Obersteiermark und im Südosten von Österreichs verwendet. In Tirol, Salzburg oder Bayern wird dagegen der Name „Muas“ verwendet. Ein ähnliches Gericht wird in Vorarlberg und in manchen Regionen in Tirol zudem als „Ribel“ bezeichnet. Als „Žganci“ ist der Sterz auch in Kroatien und Slowenien bekannt. Je nach Region können statt Mehl auch Grieß, Kartoffeln oder Bohnen als Grundlage verwendet werden.

Eines bleibt jedoch allen gleich: Das Gericht hat eine lange Tradition. So diente der Sterz früher hauptsächlich als Versorgung für Holzknechte, die für wochenlange Aufenthalte in den Wäldern nur wenig und lang haltbares Proviant mitnehmen konnten.

Da die Bestandteile kostengünstig und die Herstellung einfach waren, gewann der Sterz auch bei der ländlichen, oft ärmeren Bevölkerung immer mehr an Beliebtheit. Heute gilt die Speise als Klassiker der traditionellen Hausmannskost und wird daheim, bei Dorffesten oder in lokalen Gaststuben gerne gegessen.

Als absoluter Liebling gilt noch immer der Brennsterz, umgangssprachlich auch als „Heidensterz“ bekannt. Dieser wird innerhalb von wenigen Minuten in der Pfanne zubereitet und kann als Frühstück oder Abendessen mit einem traditionellen „Häferlkaffee“ (stark verdünnter Milchkaffee in einer großen Tasse) genossen werden. Zusammen mit einer sauren Rahmsuppe ist das Gericht auch als Mittag oder Abendessen geläufig.

Arme-Leute-Essen: Sterz

Der Sterz – ein Traditionsgericht aus Österreich. Foto: kms/Epoch Times

Zutaten – für vier (hungrige) Personen:
  • 400 g Mehl
  • 500 ml Wasser
  • 30 g Schmalz (oder mehr)
  • 1 TL Salz
Zubereitung:

Als Erstes das Mehl zusammen mit dem Salz in einer Schüssel gut verrühren. Danach das Gemisch mit kochendem Wasser übergießen und währenddessen gut rühren. Nun den Schmalz in einer Pfanne erhitzen und das Wasser-Mehl-Gemisch hineingeben. Alles gut durchrösten und mit zwei Gabeln immer wieder zerteilen, bis man kleine „Bröckeln“ hat. Mehr Schmalz macht den Sterz etwas weicher.

Tipp: Bevor man das Mehl mit kochendem Wasser übergießt, wird in vielen Rezepten noch empfohlen, das Mehl zu „linden“. Dafür wird es in einer heißen Pfanne ohne Fett geröstet, bis es leicht bräunlich wird und wie Popcorn duftet. Dabei muss stetig umgerührt werden, damit es nicht anbrennt. Dadurch kommt es zu einem besseren, nussigen Geschmack und erhöhten die Bindefähigkeit des Mehls.

Arme Ritter bei den Römern

Ein weiteres Traditionsgericht ist der Arme Ritter. Dieser war zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges (1618 bis 1648) nicht nur Speise für Bauern und Knechte, sondern auch für den niederen Adel. Bereits damals schlugen die Köche Eier über alte Brötchen auf und brieten sie anschließend in Fett. Bis heute hat sich an den Grundzutaten im deutschen Raum nur wenig verändert.

Inzwischen ist der Arme Ritter in der ganzen Welt bekannt. In England kann es als Teil des klassischen „Englischen Frühstücks“ serviert werden, während es in Amerika als „French Toast“ oder seltener „German Toast“ bekannt ist. Seine Bekanntheit reicht zudem bis nach Frankreich („pain perdu“), Russland („grenki“), Spanien („torrijas“), Finnland („köyhät ritarit“) und Ungarn („Bundáskenyér“).

Doch wenn es den Armen Ritter gibt, gibt es dann auch den „Reichen Ritter“? Ja, den gibt es tatsächlich. Der Reiche Ritter ist im Gegensatz zu seinem Verwandten mit allerlei Süßem oder Herzhaftem gefüllt. Besonders beliebt sind Schokoladenaufstriche und Marmeladen sowie Käse und Schinken. Doch nur wenige Arme-Ritter-Liebhaber wissen, dass das Kultrezept seinen Anfang bei den Römern nahm.

Die Spur führt zum ältesten überlieferten Kochbuch der Welt, dem „De re coquinaria“ (zu Deutsch: „Über die Kochkunst“). Dieses Kochbuch aus dem 3. oder 4. Jahrhundert n. Chr. umfasst insgesamt zehn Kapitel mit über 450 Rezepten. Der heutige Arme Ritter findet sich im Kapitel 7 „Polyteles“ („Der Gourmet“) unter den „anderen Süßspeisen“. Dort wird beschrieben, wie Stücke von Siligenen (ein typisches Winterweizengebäck) in Milch getaucht, in Öl geröstet und schließlich mit Honig beträufelt gegessen wurde.

Arme-Leute-Essen: Arme Ritter

Zum Frühstück: Arme Ritter mit Früchten und Honig. Foto: iStock

Zutaten – für zwei Personen:
  • 4 (alte) Brötchenhälften, dicke Brot- oder Toastscheiben
  • 250 ml Milch
  • 1 Ei
  • Gewürze nach Wahl (Salz, Pfeffer, Zimt etc.)
  • Öl oder Butter zum Anbraten
Zubereitung:

Als Erstes Milch, Ei und Gewürze miteinander verquirlen. Dann die Brötchenhälften oder Brotscheiben kurz darin einweichen lassen und anschließend in einer Pfanne mit Öl oder Butter knusprig goldbraun anbraten. Der Arme Ritter kann ohne weitere Beilagen verzehrt werden oder zusammen mit süßen und herzhaften Zugaben wie Apfelmus, frisches Obst oder Aufschnitt.



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