Defekte Windräder und Milliardenverluste: Siemens Gamesa plant Werksschließungen

Es läuft nicht rund für Siemens Gamesa. Trotz Energiewende kämpft der Windradbauer mit Verlusten und belastet seinen Mutterkonzern. Siemens-Energy-Chef Christian Bruch erklärt, warum das Unternehmen unter Dauerdruck steht.
Siemens Gamesa
Die Produktionshalle von Siemens Gamesa im Januar 2023 in Cuxhaven.Foto: Gregor Fischer/Getty Images
Von 20. Oktober 2023

Der Windkraftanlagenhersteller Siemens Gamesa belastet den Mutterkonzern Siemens Energy bereits seit mehreren Jahren. Nun erwägt der Energietechnikhersteller die Schließung der Siemens-Gamesa-Fabriken und deren Vertriebsbüros. Damit will Siemens die Verluste im Windkraftanlagengeschäft reduzieren. Das teilten am 9. Oktober mit der Angelegenheit vertraute Personen laut „Reuters“ in einem Bericht mit.

Ein großes Problem bei dem spanischen Tochterunternehmen sind weitreichende Qualitätsprobleme. Wegen einer hohen Ausfallrate von Windturbinen-Komponenten bei Siemens Gamesa zog der Mutterkonzern bereits seine Gewinnprognose zurück, wie „Golem“ berichtet. Siemens Energy verzeichnete im zweiten Quartal dieses Jahres einen Rekordverlust von knapp drei Milliarden Euro. Für das gesamte Jahr erwartet der Konzern einen Verlust von 4,5 Milliarden Euro.

Siemens Gamesa ist momentan der weltweit größte Hersteller von Offshore-Windturbinen.

Konzern unter Dauerdruck

Werksschließungen sind an mehreren Standorten angedacht und werden wohl zu weiteren Entlassungen führen. Im Weiteren ist geplant, die Produktion einiger Schlüsselkomponenten – wie etwa Rotorblätter – auszulagern. So könnten die Margen wieder steigen.

Die Aktie von Siemens Energy, das 2020 aus der Siemens AG ausgegliedert wurde, stiegen nach dieser Meldung um rund 2,5 Prozent. „Alles, was die Rentabilität steigert und die Kosten bei der defizitären Gamesa senkt, wird als positiv angesehen“, meinte ein Händler an der Frankfurter Börse zu dem Kursanstieg. Dieses Plus hielt jedoch nicht lange: Am Donnerstag, 19. Oktober, fiel die Aktie auf 11,32 Euro. Tendenz weiterhin fallend.

Besonders unter Druck steht derzeit der Siemens-Energy-Chef Christian Bruch, der dringend einen überzeugenden Sanierungsplan für Siemens Gamesa benötigt. Demnach stehen aktuell sämtliche Bereiche auf dem Prüfstand, wie das „Handelsblatt“ berichtet.

Siemens Gamesa

Blick in die Produktionshalle in Cuxhaven. Siemens Gamesa produziert Windturbinen. Foto: Gregor Fischer/Getty Images

Bruch erklärte, wie es zu der Krise kommen konnte. Seiner Ansicht nach habe Siemens Gamesa neue Windturbinen unter dem Druck des Marktes zu früh herausgebracht. Im Interview mit dem „Handelsblatt“ forderte er „ein Ende des ruinösen Technologiewettbewerbs in der Windindustrie“.

Bruch erklärte: „Siemens Gamesa war unter Druck, weil es seinerzeit keine eigene konkurrenzfähige Turbine am Markt hatte.“ Das Unternehmen habe schnell mit der eigenen Turbine Erfolg haben wollen und sie sehr früh auf den Markt gebracht. Das führte zu schnellen Aufträgen – und späteren Problemen.

Die Wettbewerber hätten sich mehr Zeit gelassen und haben ihre Turbinen „evolutionärer“ entwickelt. Weiter sagte Bruch: „Da komme ich wieder auf die Komplexität zurück: Man kann nicht einfach mal eben eine Turbine entwickeln, und dann läuft das. So etwas braucht Jahre.“

Werksschließungen sind möglich

Letztlich ruderte der Siemens-Energy-Chef zurück: „Vielleicht investiere ich da jetzt erst mal nicht in drei zusätzliche neue Fabriken, sondern versuche erst mal, die bestehenden hinzubekommen.“ Werksschließungen seien theoretisch nicht ausgeschlossen.

Allerdings hat Siemens Gamesa keinen Mangel an Aufträgen – im Gegenteil: Der Turbinenhersteller tut sich schwer, die Fertigungskapazitäten schnell genug hochzufahren.

Nach Einschätzung von Fachleuten in Industriekreisen handelt es sich eher um Komponenten, deren Fertigung an Partner ausgelagert werden könnte. Ein Konzernsprecher verwies auf Bruchs Aussagen vom August. Das Wichtigste sei es, Siemens Gamesa zu stabilisieren, und in diesem Sinne schaue man sich alle Optionen an.

Das Unternehmen hat über 79 Standorte, darunter Verkaufs- und Service-Center sowie Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen, wie „Blackout News“ berichtet.



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