Saturnmond Enceladus „erfüllt strengste Voraussetzung für Leben“

Es bestehe kein Zweifel mehr: Unter seiner gefrorenen Kruste enthält der Saturnmond Enceladus „erhebliche Mengen“ Phosphor und damit einen Schlüsselbaustein für Leben. Mehr könne man nur vor Ort erfahren.
Satellitenbild von Enceladus
Aus 28 Einzelaufnahmen der Cassini-Sonde zusammengesetztes Satellitenbild von Enceladus mit typischen Brüchen in der Eiskruste.Foto: NASA/JPL/Space Science Institute
Epoch Times15. Juni 2023

Neuer Auftrieb für die Suche nach außerirdischem Leben: Forscher haben herausgefunden, dass der für die Entstehung von Leben zentrale Baustein Phosphor im Ozean des Saturnmondes Enceladus vorkommt. Laut einer am Mittwoch in der Zeitschrift „Nature“ veröffentlichten Studie schleudern Geysire Eispartikel aus dem Inneren des Eismondes durch Risse auf der Oberfläche ins All. Der darin enthaltene Phosphor ist ein Schlüsselelement für die Entstehung von Leben.

„Wir haben reichlich Phosphor in Eisschwaden-Proben gefunden, die aus dem unterirdischen Ozean emporschießen“, sagte einer der Mitautoren der Studie, Christopher Glein vom Southwest Research Institute (SwRI). Dies sei „eine verblüffende Entdeckung für die Astrobiologie“.

„Es ist das erste Mal, dass dieses essenzielle Element in einem Ozean jenseits der Erde entdeckt wurde“, erklärte der Hauptautor der Studie, Frank Postberg. Die jahrelang von der Nasa-Sonde Cassini gesammelten und nun ausgewerteten Daten ließen „keinen Zweifel mehr daran, dass erhebliche Mengen dieser wichtigen Substanz im Ozean vorhanden sind“, sagte der Planetenforscher von der Freien Universität (FU) Berlin.

„Soda-Ozean“ auf Enceladus

Die Saturnsonde Cassini hatte im Jahr 2004 mit der Erforschung des riesigen Gasplaneten weit draußen im Sonnensystem begonnen, bevor sie nach dem Ende ihrer Mission im Jahr 2017 in der Atmosphäre des Planeten verglühte. Die Mission zählt zu den erfolgreichsten der Raumfahrtgeschichte: Sie entdeckte neue Ringe und Monde und enthüllte viele Geheimnisse des zweitgrößten Planeten im Sonnensystem.

Die Nasa-Sonde hatte der FU Berlin zufolge bereits vor einigen Jahren den Ozean unter der Eiskruste des Mondes aufgespürt. Ihre ausgewerteten Daten bestätigten nun frühere Ergebnisse der Berliner Planetenforscher aus Laborexperimenten.

In vorangegangenen Arbeiten hatten die Wissenschaftler bereits herausgefunden, dass der Ozean auf Enceladus ein „Soda-Ozean“ ist, also reich an gelösten Karbonaten. Zudem enthält er demnach eine große Menge komplexer organischer Moleküle. Auch wurden Hinweise auf Hydrothermalquellen am Grund des Ozeans gefunden. Vor Kurzem entdeckte das FU-Forschungsteam dann schließlich in den Daten Hinweise auf Phosphor-Verbindungen.

Nur ein kleiner Schritt …

In den vergangenen 25 Jahren haben Planetenforscher entdeckt, dass Himmelskörper mit Ozeanen unter einer Eiskruste am äußeren Sonnensystem häufig vorkommen und zudem erheblich mehr Wasser enthalten als alle Ozeane der Erde zusammen. Dazu gehören der Jupitermond Europa, der größte Saturnmond Titan, aber auch der noch weiter entfernte Pluto.

Während Planeten wie die Erde mit ihren oberirdischen Ozeanen in einem bestimmten Abstand ihren Heimatstern umkreisen müssen, um die für die Entstehung von Leben richtigen Temperaturen aufrechtzuerhalten, erweitert die Entdeckung von Welten mit unterirdischen Ozeanen die Anzahl der möglichen bewohnbaren außerirdischen Planeten.

„Mit dieser Entdeckung ist nun bekannt, dass der Ozean von Enceladus die strengste Voraussetzung für Leben erfüllt“, erklärte Nasa-Forscher Glein. Der nächste Schritt sei nun klar: „Wir müssen zu Enceladus zurückkehren, um zu sehen, ob der bewohnbare Ozean tatsächlich bewohnt ist.“ (afp/ts)



Kommentare
Liebe Leser,

vielen Dank, dass Sie unseren Kommentar-Bereich nutzen.

Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen, Schimpfworte, aggressive Formulierungen und Werbe-Links. Solche Kommentare werden wir nicht veröffentlichen. Dies umfasst ebenso abschweifende Kommentare, die keinen konkreten Bezug zum jeweiligen Artikel haben. Viele Kommentare waren bisher schon anregend und auf die Themen bezogen. Wir bitten Sie um eine Qualität, die den Artikeln entspricht, so haben wir alle etwas davon.

Da wir die Verantwortung für jeden veröffentlichten Kommentar tragen, geben wir Kommentare erst nach einer Prüfung frei. Je nach Aufkommen kann es deswegen zu zeitlichen Verzögerungen kommen.


Ihre Epoch Times - Redaktion