Grüne Ernährung und Wälder sollen den Planeten retten – aber nur in Energiewende-Ländern

Geht es nach den Forscher der Universität von New York, können Linsen, Bohnen und Nüsse die Welt retten – wenn Menschen stattdessen auf tierisches Fleisch verzichteten und Wälder wachsen, wo einst Felder waren. Die Akzeptanz der Alternativen wie Labor-Fleisch oder Insekten hält sich bei zukünftigen Endverbrauchern jedoch in Grenzen.
Titelbild
Ein Erntehelfer zeigt auf einem Feld frisch geerntete Bio-Bohnen.Foto: Julian Stratenschulte/dpa/dpa
Von 8. September 2020

Eine Verlagerung der landwirtschaftlichen Produktion von Tieren auf pflanzliche Lebensmittel und Wälder soll dem Klima etwas Luft verschaffen. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher der Universität New York in einer neuen Studie. Bislang beansprucht die Produktion tierischer Lebensmittel etwa 83 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche der Erde.

Dabei könnten pflanzliche Eiweißlebensmittel – wie Linsen, Bohnen und Nüsse – lebenswichtige Nährstoffe liefern, brauchen jedoch nur „einen kleinen Bruchteil“ der für die Fleisch- und Milchproduktion benötigten Flächen. Die ungenutzten Flächen könnte man anschließend aufforsten, um etwa „neun bis 16 Jahre der weltweiten CO2-Emissionen aus fossilen Brennstoffen [zu] beseitigen“.

Kein Fleisch für Energiewende-Länder

In ihrer in „Nature Sustainability“ veröffentlichten Studie analysierten die Forscher Gebiete, in denen die extensive Tierhaltung die einheimische Vegetation unterdrückt. Gleichzeitig wollen die Forscher aufzeigen, an welchen Orten Veränderungen sinnvoll wären. So sagte der Hauptautor Prof. Matthew Hayek von der New York University:

„Das größte Potenzial für das Nachwachsen der Wälder und die damit verbundenen Klimavorteile besteht in Ländern mit hohem und mittlerem Einkommen, also dort, wo eine Reduzierung der landhungrigen Fleisch- und Milchproduktion relativ geringe Auswirkungen auf die Ernährungssicherheit hätte.“ „Die Wiederherstellung einheimischer Wälder könnte den Ländern die dringend benötigte Zeit verschaffen, ihre Energienetze auf eine erneuerbare, fossilfreie Infrastruktur umzustellen“, sagte Hayek weiter.

Es gibt jedoch ein Problem. Mehr als 70 Prozent der Generation Z – dazu zählen weltweit etwa zwei Milliarden Menschen und damit ein Großteil der zukünftigen Endverbraucher – sprechen sich gegen Labor-Fleisch auf ihrem Teller aus. Nur etwas mehr als ein Drittel der Befragten akzeptierten Alternativen auf pflanzlicher Basis.

„Bei der Landnutzung geht es nur um Kompromisse“, erklärt Koautor Nathan Mueller von der Colorado State University. Während „das Potenzial für die Wiederherstellung von Ökosystemen beträchtlich ist, ist die extensive Tierhaltung in vielen Regionen der Welt kulturell und wirtschaftlich von großer Bedeutung. Letztlich können unsere Erkenntnisse dazu beitragen, gezielt dort anzusetzen, wo die Wiederherstellung von Ökosystemen und die Eindämmung der fortschreitenden Entwaldung den größten Nutzen […] hätten.“

Technik ist (k)eine Lösung

Insgesamt identifizierten die Forscher über sieben Millionen Quadratkilometer, auf denen sich „Samen auf natürliche Weise ausbreiten“ sowie „dichte, artenreiche Wälder und andere Ökosysteme wachsen und sich vermehren können“. Das entspricht in etwa der Fläche Russlands. Ein wichtiges Kriterium war die natürliche Ausbreitung, denn natürlich könne man Millionen von Bäumen pflanzen – einige „Klimalösungen“ sprechen sogar von einer Billion Bäumen – doch das kostet Geld und Zeit und verursacht dank schwerer Maschinen wiederum Emissionen.

Obwohl es technische Lösungen gibt, die CO2 aus der Atmosphäre entfernen, warnen die Forscher davor, sich auf diese Maschinen zu verlassen. Ein zu großes Vertrauen in diese könnte sich sogar als gefährlich erweisen, so Helen Harwatt von der Harvard Law School. Daher sei „die Wiederherstellung der einheimischen Vegetation auf großen Flächen landwirtschaftlicher Nutzflächen mit geringem Ertrag derzeit unsere sicherste Option“.

Und die Aufforstung hätte weitere Vorteile:

„Eine geringere Fleischproduktion wäre auch vorteilhaft für die Wasserqualität und -quantität, den Lebensraum von Wildtieren und die Artenvielfalt“, erklärt Koautor William Ripple, Professor für Ökologie an der Oregon State University. Angesichts der jüngsten Ereignisse fügte Harwatt hinzu: „In Verbindung mit verringerten Viehbeständen verringert die Wiederherstellung [der Wälder] die Übertragung von Krankheiten von wildlebenden Tieren auf Schweine, Hühner und Kühe und letztlich auch auf den Menschen.“

(Mit Material der University of New York)



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